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Buchinfo

Cross Cult || Orig. Avatar: The Promise || 1/6 || 240 Seiten
Et.: 28.04.14 || Übersetzer: Andreas Mergenthaler, Jacqueline Stumpf || 978-3-86425-370-6
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(Verlagstext)
Mit Hilfe seiner Freunde besiegte Aang, der verschollene und von Katara und Sokka – einem Geschwisterpaar vom Wasserstamm – wiedergefundene Avatar, Feuerlord Ozai und beendete so den in seiner 100-jährigen Abwesenheit stattgefundenen brutalen Feldzug der Feuernation. Zuko, der vom Erzfeind zu einem der treuesten Freunde Aangs wurde, ist der neue Feuerlord. Zusammen mit Erdkönig Kuei versprechen Aang und Zuko nun den Frieden zwischen den vier Nationen wiederherzustellen. Doch das ist einfacher gesagt, als getan! Die Jahrzehnte des Krieges haben tiefe Wunden hinterlassen … und dann ist da noch das Versprechen, das Aang Zuko geben musste!

Das Cover wirkt auf den ersten Blick im Vergleich zu den Cover der Einzelbände eher unspektakulär. Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch eine herrliche Ambivalenz zwischen den Figuren. Zuko im Schatten seines grausamen Vaters auf der einen und Aang unter Rokus Fittiche auf der anderen Seite. Zuko und Aang stehen zusammen, als ob sie gemeinsam gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen und doch leicht voneinander abgewandt, als ob sie sich nicht ganz einig wären. Mit der Geschichte, die dieser Band erzählt im Hinterkopf, könnte es kaum ein treffenderes Cover geben.

Ich war ein Avatarfan der ersten Stunde. Ich habe jeder neuen Staffel entgegengefiebert, mit Team Avatar gelacht, geweint und mitgefiebert und jede einzelne Folge schon mehrmals gesehen und kann es mir immer wieder ansehen.
Trotzdem habe ich die Comics lange ignoriert, was zu einem an einer gewissen Skepsis lag und zum anderen daran, dass ich seit meiner Manga Phase im Teenager Alter nicht mehr viel mit Comics zu tun hatte, mit amerikanisieren schon gar nicht. Das wollte ich nun aber ändern und dachte: “Avatar wäre genau richtig um damit zu beginnen”

 

Die Serie lebt weiter

Als eingefleischter Avatar Fan, waren meine größten Bedenken den Comics gegenüber, ob die Autorenes wirklich schaffen würden, das Feeling der Serie aufgreifen zu können. Ob sie die Charaktere schlüssig weiter führen, den speziellen Humor der Serie übernehmen würden und vor allem fragte ich mich, ob sie die Dynamik des Bändigens in zweidimensionalen Bilder überhaupt übertragen würden können. Doch was soll ich sagen? Das Team hat ganze Arbeit geleistet. Von der ersten Seite an hatte ich wieder Kataras Stimme im Kopf:

Nickelodeon Avatar, der Herr der Elemente: Das Versprechen Premium von Gurihir & Gene Luen Yang, S.5-7, die Rechte liegen beim Cross Cult Verlag.

Schon nach den ersten paar Seiten merkt man, dass das Autorenteam sich viel Mühe gegeben hat, dem Flair der Serie gerecht zu werden und auch dass die Serienschöpfer DiMartino und Konietzko beteiligt waren spürt man. Mit den Zeichnungen trifft Gurihiro genau die Bildersprache der Serie. Alle Charaktere behalten ihren Wiedererkennungswert und auch ihr Verhalten, entspricht der Serie. Ich fühlte mich, als würde ich nach Hause kommen.

Selbst der Avatar typische Humor geht trotz ernsterer Thematik nicht verloren, beispielsweise wenn Momo im Hintergrund versucht, dem armen Bosco seine Mütze zu klauen:

Nickelodeon Avatar, der Herr der Elemente: Das Versprechen Premium von Gurihir & Gene Luen Yang, S.9, die Rechte liegen beim Cross Cult Verlag.

Insgesamt fügt sich das Versprechen nahtlos ins Avatar Universum ein und ist quasi wie eine weitere Staffel, nur eben im Comic Format. Dabei entwickeln sich die Charaktere sinnvoll weiter. Sie alle suchen ihren Platz in dieser neuen Welt und kämpfen mit den unterschiedlichsten Schwierigkeiten. Die Welt ist gerettet, doch ohne Probleme läuft es trotzdem nicht, seien es Zuko und Aang die sich in ihre jeweiligen Rollen als Feuerlord und Avatar zurecht finden müssen oder Toph, die sich als Lehrerin versucht. Sie alle machen eine schöne und schlüssige Entwicklung durch.

Allerdings muss ich an dieser Stelle auch sagen, dass ich jedem raten würde, zuerst die Serie zu schauen (Die Legende von Aang reicht, die Legende von Korra ist nicht nötig). Es ist zwar nicht unmöglich der Handlung ohne Vorwissen zu folgen, aber vieles macht eben kaum Sinn, bez. versteht man die Dynamik zwischen den Figuren und die gesellschaftspolitischen Vorausgesetzten nicht.

 

Kolonialismus: Wer hat ein Recht wo zu leben?

Schon in der Serie befasste sich Avatar durchaus auch mit ernsteren Themen, so z.B im Buch drei mit der Frage, ob man seinen Feind töten sollte oder nicht. Auch das Versprechen greift ein ernstes Thema auf: Kolonialismus. Dabei schildert die Erzählung diverse Problematiken.
Der Kolonialismus wird nicht verherrlicht, das Versprechen erzählt aber auch, dass die Sache eben dennoch nicht ganz einfach ist. Wer hat ein Recht wo zu leben? Müssen Leute zwangsweise ihre Heimat verlassen, wo sie seit Generationen friedlich leben, weil ihre Vorfahren das Land gewaltsam nahmen? Was ist Heimat und wie heilt man durch Kolonialismus entstandene Jahrhundert alte Wunden?
All dies sind zentrale Fragen, die auch in diesem Comic zu Sprache kommen. Selbstverständlich können nicht alle Aspekte vollständig vertieft werden, es ist ja auch ein Comic und kein Fachaufsatz, dennoch beweisen die Autoren sehr viel Feingefühl und Geschick im Umgang mit diesem Thema und machen Das Versprechen dadurch nicht nur zu einer Unterhaltung, sondern auch zu einem tiefer gehenden Leseerlebnis, das mich begeistert hat.

 

Das Premium Erlebnis

Soweit zum Inhalt, jetzt möchte ich noch ein paar Worte zum Premium Band sagen. Ich kenne nur diesen, daher kann ich ihn nicht mit den Heften vergleichen, die Qualität ist aber jedenfalls top. Das Papier ist fest und glatt und die Farbqualität hervorragend. Auch die Kommentare an den Rändern fand ich toll und so manche Hintergrund Information zum Entstehungsprozess, bez, was als Inspiration diente sehr interessant, ebenso die Skizzen zur Figurenentwicklung am Ende.

Man möchte kaum glauben, dass dieser Comic nur mit Unterstützung und nicht vollständig von den Serienmacher stammt, so gut und nahtlos schließt das Versprechen an die Serie an. Der Band überzeugt mit ebenjenen lieb gewonnen Charakteren und frischem Humor, den die Serie groß gemacht hat und kann überdies noch mit einer tiefgründigen Thematik die elegant und feinfühlig verpackt wird, auftrumpfen. Ich möchte, dass es nie endet.

Shock²
Ninespo: 5/5
The Lost Dungeon: 8/10