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Buchinfo

Ullstein Verlag || 2/4 || 288 Seiten || Et.: 13.07.12 || 978-3-548-37457-4
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(Verlagstext)
»Ich schwöre, ich habe perfekt deutsch gesprochen. Ich glaube, ich habe sogar gesagt: Ich habe mein Praktikum absolviert. So spreche ich sonst nie.«
Frau Freitags Klasse ist jetzt in der Zehnten. Alles dreht sich um den Abschluss. Wirklich alles? Während Frau Freitag ihre Schüler nachts auf Facebook an ihre Bewerbungen erinnert und tagsüber durch die Prüfungen schleust, haben Bilal, Emre und Mariam ganz andere Probleme: »Wie kam man eigentlich ins Internet, als es noch keine Computer gab?« – »Moment noch Frau Freitag, gleich fertig mit Handy.« – »Hab ich Selbstbräuner raufgesprüht und heute Morgen voll Schock: volldunkelbraun.« Aber wie soll eigentlich Frau Freitag ohne ihre Klasse überleben?

Ganz ehrlich? Nichtssagend! Absolut nichtssagend. So ein typisches Cover für die “Irgendwer erzählt aus seinem Super unterhaltsamen Alltag”  Bücher das wohl mit dem Küken irgendwie niedlich oder witzig sein soll. Fragt mich nicht, was der Vogel mit dem Inhalt zu tun hat 🤷‍♀️

Der Lehrerberuf kann ein erfüllender, spannender und oft auch unfreiwillig komischer Job sein. Um das zu wissen, reicht es oft schon, an seine eigene Schulzeit zurückzudenken. Und der Lehrermensch scheint auch ein sehr redseliger Mensch zu ein, der gerne Alltagsgeschichten mit uns teilt, denn die Flut an „Lehrer erzählt aus ihrem/seinem Alltag“ Büchern ist erdrückend und das nicht erst seit dem Erfolg von Fack ju Göhte. Als mir dann am „Wühltisch“ Frau Freitags Buch in die Hände fiel, dachte ich gebe mal den schreibenden Pädagogen eine Chance, vor allem da Frau Freitag, eine der ersten war, die diese Art von Bücher veröffentlichte.
 

Eine Lehrerin zwischen “Aboo”, “Vallah” und “Isch schwör”

Bei „Voll streng, Frau Freitag“ handelt es sich um den 2. Band aus der Feder der Frau Freitag. Dies ist mir erst zu Hause aufgefallen, aber das macht nichts, denn die Bücher lassen sich problemlos unabhängig voneinander lesen.
Es geht um die engagierte Lehrerin Frau Freitag an einer Berliner Problem-Gesamtschule und ihre herzlich unmotivierte Klasse mit vorwiegend Migrationshintergrund, der der Abschluss bevorsteht. Doch anstatt sich Gedanken um Noten, Berufe oder Bewerbungen zu machen, haben Abdul, Fatma und Co ganz andere Sorgen. Sehr zum Leidwesen von Frau Freitag die verzweifelt versucht ihre Schüler an Bewerbungsfristen, Berufsberatungen und Messen zu erinnern. Dabei geht sie dann auch mal unkonventionelle Wege wie z. B. über Facebook.
Daran und an ihren gesamten Verhalten gegenüber den Schülern merkt man, dass Frau Freitag trotz der regelmäßigen halben Nervenzusammenbrüche die Schüler ihr bereiten viel an ihnen liegt. Sie sorgt sich wirklich darum, dass aus ihnen etwas wird, dass sie ihren Abschluss schaffen und eine Perspektive haben. Viele Lehrer an Problemschulen haben das bereits aufgegeben, daher kann ich hier nur mein Lob für das Engagement von Frau Freitag aussprechen.
 
Was allerdings den Unterhaltungswert des Buches angeht, so wurde ich doch enttäuscht. Die Bücher sind aus Frau Freitags Blog heraus entstanden und das merkt man ihnen auch an. Es ist episodisch aufgebaut und hin und wieder fehlt einfach die Pointe, die sich im Blog aus dem Zusammenhang heraus ergeben hat. Vieles wirkte erzwungen. Darüber hinaus fand ich es doch etwas anstrengend, dass nicht nur Frau Freitags Schüler im ständigen „Ghettodeutsch“ reden, sondern dass sie selbst auch oft in diesen Slang verfiel. Das war mir auf Dauer dann doch zu viel Abooo, Isch schwör, und Vallah. Traurig fand ich es auch, dass diese Klasse oft sinnbildlich für die gesamte Jugend Deutschlands dargestellt wird. Ich komme selbst aus einem sozial schwachen Berliner Bezirk und bin dort auch zur Schule gegangen. Solches Verhalten wie Frau Freitags klasse kenne ich jedoch nicht.
Zusammen sind das auch die Gründe warum sich die Witzigkeit des Buches doch in Grenzen hält. In kleinen Portionen mag es noch unterhaltsam sein. Als Buch eher aufgesetzt und überdreht.

Für den ein oder anderen Lacher reicht auch Frau Freitags Blog. In gesammelter Buchform ist es doch zu gezwungen und anstrengend und ehrlich gesagt auch unnötig.

Bisher konnte ich keine anderen Blogrezensionen finden, falls du das Buch rezensiert hast, lass mir ruhig ein Link in den Kommentaren da 😉