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Buchinfo

Heyne Hardcore || Orig. Letters of Note: War || Briefsammlung || 216 Seiten
Et.: 02.03.20 || Übersetzer: Diverse || 978-3-453-27249-1
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(Verlagstext)
Eine Sammlung der ergreifendsten Briefe zum Thema Krieg und Frieden – im Geschenkbuchformat und in wunderschöner Ausstattung. Das Buch basiert auf der sensationell populären Website »Letters of Note«, einer Art Online-Museum des Schriftverkehrs, das bereits von über 70 Millionen Menschen besucht wurde. Mit Briefen von u.a. Lord Nelson, Evelyn Waugh, Gandhi, Kurt Vonnegut, Mark Twain und Blanca Brisac Vázquez.

Wenn ich mir die ganze Reihe zusammen anschaue, gefällt mir die deutsche Gestaltung besser. Das goldene Logo sieht sehr edel aus und ich mag den sanften Farbverlauf bei den Tauben. Nichtsdestotrotz liebe ich einfach das Covermotiv der Originalausgabe. Die restlichen Motive der Reihe sind nicht so toll, weswegen ich die Reihengestaltung im deutschen halt besser finde, aber speziell bei diesem Buch, muss der Sieg für mich einfach an das Original gehen. Zum einen finde ich den Stil unglaublich toll und zum anderen wird in dem Motiv die Dramatik von briefen aus dem Krieg, noch viel deutlicher.

Heute habe ich mal keinen Roman für euch, sondern eine Briefsammlung, die als Neuerscheinung im März mein Interesse weckte. Das Online-Museum “Letters of Note” kannte ich bis dahin nicht, mag das Konzept aber sehr und werde da wohl demnächst öfters mal vorbei schauen.
 

Um der Menschheit willen

Letters of Note sammelt Briefe aus aller Welt mit mehr oder weniger bedeutendem Inhalt, die mal berührend, mal witzig, mal belanglos, aber von berühmten persönlichekiten sind. In diesem Sammelband geht es um Briefe, die im Zusammenhang mit Krieg geschrieben wurden, viele stammen direkt von den Fronten der Welt, es finden sich aber auch welche von Angehörigen, die Liebste im Krieg verloren, von Aktivisten und Pazifisten, einer Krankenschwester oder berühmte Persönlichkeiten wie Mark Twain.
Jeder Brief wird von einem kurzen erklärenden Text eingeleitet, der kurz beschreibt, wer die schreibende Person bez. der Adressat ist und ggf. historischen Kontext erklärt. Diese kurzen Einleitungen haben mir ausgezeichnet gefallen, da sie, auch wenn sie nie langer als zwei Seiten waren, stets alles Wichtige, was es zum Verständnis des folgenden Briefes bedurfte, erklärt haben. Das ist für mich ein großer Pluspunkt, denn die relevantesten Informationen kurz und knapp wiederzugeben ist auch eine Kunst.
 
Kommen wir aber zu den Briefen. Diese habe ich aufmerksam und sehr gerne gelesen. Manche stimmten nachdenklich, andere ließen das Herz bluten, wie z.B. wenn eine Mutter an ihren gefallenen Sohn schreibt und all ihren Schmerz des Verlustes in diese Worte legt. Eins haben die Briefe alle gemeinsam: Sie sind ein Zeugnis für die Irrsinnigkeit, der Abscheulichkeit von Krieg und ein Mahnmal an die Menschheit, stets den Frieden zu suchen. In dieser Hinsicht fand ich einen Satz treffend, den Mahatma Gandhi an Adolf Hitler schrieb (Das war etwas, was ich nicht wusste: Er schrieb nämlich zwei Briefe, in denen er Hitler inständig darum bat, den Krieg zu verhindern, bez. zu beenden.):
 
Ein Erfolg im Krieg beweist nicht, dass Sie im Recht sind. Es beweist lediglich, dass Ihre Zerstörungskraft größer ist.
Brief von Mahatma Gandhi an Adolf Hitler vom 24.12.1940 in: Letters of Note: Krieg von Shaun usher (Hrsg.), Heyne Hardcore, S.185
 
 

Die kriege der westlichen Welt

So ergreifend ich diese Briefe auch fand, zwei kleinere Kritikpunkte habe ich dennoch. Zum einen fand ich die Auswahl der Briefe bez. der Konflikte aus denen sie stammen sehr eurozentrisch bez. wenn man Amerika berücksichtigt sehr auf die “westliche” Welt ausgerichtet. Ich hätte es aber auch sehr interessant gefunden zu erfahren, was der indische Rebell dachte, als er sich 1857 gegen das Empire auflehnte oder die Soldaten im Chinesisch-Japanischen Krieg, oder auch einfach mal die andere Seite des Vietnamkrieges, von diesem haben wir nämlich nur amerikanische Briefe. Ebenso fehlen Konflikte aus Südamerika und Afrika völlig. Aber auch zu diesen Konflikten gibt es erhaltene Briefe, weswegen ich mir die Auswahl nicht wirklich erschließt.
 
Mein zweiter Kritikpunkt betrifft einen speziellen Brief von Irvan Sirko: Von diesem ist es nämlich gar nicht sicher, ob es ihn überhaupt gab. Dass er geschrieben wurde, ist eine Legende, der Wortlaut nur überliefert. Dies wurde im Text aber so nicht kommuniziert, sodass der Leser annimmt, der Brief sei real, was man aber eben nicht mit Sicherheit sagen kann.

Diese Briefe berühren, stimmen nachdenklich und brechen das Herz und sind in alldem ein Appell an die Menschen: Für den Frieden und gegen den Irrsinn des Krieges. Einen Minuspunkt gibt es für die sehr auf die westliche Welt konzentrierte Auswahl. Perspektiven aus Asien, Afrika oder Südamerika fehlen fast völlig.