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Buchinfo

Knaur || Orig. Shadow and Bone || 1/3 || 352 Seiten
Et.: 02.03.20 || Übersetzer: Henning Ahrens || 978-3-426-52444-2
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(Verlagstext (mit kleiner Kürzung aus Spoilergründen))
Alina ist eine einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren von Ravka. Jemand, der entbehrlich ist – ganz anders als ihr Kindheitsfreund Malyen, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Doch als Alina Mal bei einem Überfall auf unerklärliche Weise das Leben rettet, ändert sich alles für sie, denn sie findet heraus, dass sie eine Grisha ist, die über große Macht verfügt.
Alina wird ins Trainingslager der Grisha versetzt, der magischen und militärischen Elite Ravkas. Dort findet sie einen ganz besonderen Mentor: Den ältesten und mächtigsten der Grisha, der nur der »Dunkle« genannt wird

Ich habe hier für euch die deutsche HC Ausgabe von Carlsen, die Knaur Ausgabe, sowie das Original. Schön finde ich, dass alle drei Ausgaben in irgendeiner Form den Hirsch und in den Folgebänden den Drachen und Feuervogel aufgreifen. Das Carlsen Cover kann für mich aber dennoch nicht mit den anderen Beiden mithalten. Der Wasserfarben Look ist ganz hübsch und die Gestaltung unter dem Umschlag toll, das obligatorische Mädchengesicht nervt aber nur noch. Die TB Ausgabe ist da viel schöner, ein wahres Schätzchen. Das Original aber auch, da gefällt mir, dass man den russischen Flair spürt, zwischen den Beiden Cover kann ich mich nicht entscheiden.

Als ich im Mai Das Lied der Krähen gelesen habe, stellte ich fest, dass ein Vorwissen der Grisha Reihe zwar nicht absolut dringend erforderlich, aber dennoch empfehlenswert ist. Umso begeisterter war ich, als ich die bildhübsche Neuauflage von Knaur entdecke. Endlich alle drei Bände wieder bezahlbar erhältlich und das noch hübscher und im Selben Format wie die restlichen Grischaverse Bücher. Ich wusste, ich muss diese Reihe endlich anfangen.

Magie und russsische Mystik

Wie so oft in meinen Rezensionen, möchte ich mit der Welt der Grisha beginnen. Leigh Bardugo hat hier nämlich ein zauberhaftes und detailreiches Universum geschaffen. Das Land Ravka ist vom russischen Zarenreich des 19. Jahrhunderts inspiriert und der Autorin gelingt es ganz wunderbar diesen russischen Flair zu vermitteln, indem Namen, Ortschaften und manche Ausdrücke klar dem Russsichen entsprungen sind, dennoch wirkt es nicht aufgesetzt. Da Russland als Vorbild für Fanatsywelten nicht unbedingt auf Platz eins steht, fand ich eine solch inspirierte Geschichte sehr erfrischend und die Atmosphäre hat mich sofort gepackt. Auch die Funktionsweise der Grishamagie wird hier deutlicher erklärt, als z.B bei den Krähen.

 

An dieser Stelle möchte ich auch die neue Übersetzung des Knaur Verlags loben, die die Original Schreibweisen der Namen und Bezeichnungen verwendet, statt der Eingedeutschten, aus der Carlsen Übersetzung, wie z.B Ravka statt Rawka, Grisha statt Grischa, Malyen und Genya statt Maljen und Genja. Das mag nur eine Kleinigkeit sein, aber das Eingedeutsche war an dieser Stelle wirklich nicht nötig und die Geschichte jetzt wieder ein Stück authentischer am Original.

Der Auftakt zu etwas Großem

Protagonistin Alina ist ein Charakter, von dem ich noch nicht ganz weiß, was ich von ihr halten soll. Auf der einen Seite finde ich sie interessant, da sie nicht nur die strahlende Heldin ist, sondern auch negative Charaktereigenschaftenebsitzt, auf der anderen Seite, war sie mir an manchen Stellen etwas zu naiv. Da habe ich aber die Hoffnung, dass ich das in den Folgebänden bessern wird. Sehr gut gelungen fand ich hingegen Genya, sie habe ich sofort geliebt und ihr tragisches Schicksal mit den Zaren bietet gewiss noch Potenzial für weitere Tiefe. Auch der Dunkle konnte mich insbesondere durch seien Undurchsichtigkeit überzeugen. Lediglich Mal blieb für mich blass, aber auch hier besteht Hoffnung auf den zweiten Band.

Bei der Handlung zeigen sich dann typische Jugendbuch Elemente: Das Entdecken einer magischen Kraft, die Ausbildung ebenjener und die Dreiecksbeziehung. Leigh Bardugo erfindet das Rad hier sicher nicht neu, insgesamt ist die Handlung dennoch solide und wird gerade durch den eben genannten russischen Flair aufpoliert. Mein einziges Manko und wesentlicher Grund für den einen Punkt Abzug: Plotrelevante Entscheidungen und Wendungen kamen mir viel zu schnell, im Vergleich zu langsamen Passagen wie im kleinen Palast. Hundert Seiten mehr um diesen wichtigen Entscheidungspunkten mehr Raum zu bieten, wäre schön gewesen, denn so fühlt das Buch sich etwas wie ein Vorgeplänkel, für die eigentliche komplexerer folgende Handlung, an.

Trotz kleinerer Mängel was Ausführlichkeit und Tempo der Handlung angeht, hat mir dieser Auftakt der Grisha Trilogie Spaß gemacht und ich sehe Potenzial für Verbesserungen in den Folgebänden. Letztendlich ist fast schon die russische Atmosphäre allein Grund genug, zu diesem Buch zu greifen.

 
(Zu der Carlsen Ausgabe, diese hat eine andere Übersetzung)