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Buchinfo

Luchterhand || Orig. Fox 8 || Kurzgeschichte || 56 Seiten
Et.: 28.10.19 || Übersetzer: Frank Heibert || 978-3-630-87620-7
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(Verlagstext)
Fuchs 8 war immer schon neugierig und ein bisschen anders als die anderen Füchse seiner Gruppe. So hat er die menschliche Sprache gelernt, weil er sich gern in den Büschen vor den Häusern versteckte und zuhörte, wenn die Menschen ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorlasen. Die Macht der Worte und Geschichten befeuert seine Neugier auf diese Wesen, bis Gefahr am Horizont auftaucht: Der Bau eines riesigen Einkaufszentrums zerstört den Wald, in dem die Füchse leben, und sie finden kaum noch Nahrung. Dem stets belächelten Tagträumer Fuchs 8 bleibt nur eines: Er beschließt, seine Fuchsfamilie zu retten, und macht sich auf den Weg zu den Menschen …

In das deutsche Cover, welches zugleich die Originale US Version ist, habe ich mich sofort verliebt. Es ist so ein wunderschöner Kunststil, ich könnte es ewig anstarren. Daneben seht ihr noch die UK Version, die ist ganz ok, aber bei weitem nicht so eine Augenweide, wie das Andere.

Die Coverillustration vom deutschen/US Cover stammt von  Greg Heinimann die Illustrationen im Inneren des Buches von Chelsea Cardinal

Fuchs 8 zog mit seinem wunderschönen Cover meine Aufmerksamkeit auf sich und der Inhaltstext hörte sich interessant an. Ich erwartete eine Geschichte in Richtung wie “Als die Tiere den Wald verließen” (kennt das noch irgendwer?) Zugegeben, auf die Seitenanzahl hatte ich mal wieder nicht geachtet, doch das war nicht die einzige Überraschung, nein Fuchs 8 war so völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte, eine einzigartige Erfahrung, die ich gern mit euch teile.
 

Dieser Fuks hat uns was zu sagen…

Bildergebnis für fox 8 george saundersMit dem Aufschlagen des Büchleins erfolgte dann gleich die nächste Überraschung. Denn was wir hier in den Händen halten, ist ein Brief. Ein Brief, den Fuchs 8 höchstpersönlich an uns Menschen schreibt. Nun kann ein Fuchs, selbst wenn er tagelang den Geschichteten der Menschen, versteckt im Gebüsch gelauscht hat und somit Mänschisch gelernt hat, nicht so gut schreiben, immerhin hat er nur nach Gehör unsere Sprache gelernt.
Fuchs 8 von George Saunders, Illustration von Chelsea Cardinal, die Rechte der deutschen Ausgabe liegen beim Luchterhand Verlag
 
Fuchs 8 schreibt, also nach Gehör und da es nun mal sein Brief ist, ist das ganze Büchlein phonetisch geschrieben und das liest sich dann so:

Stellt sich raus was das Geroisch war is die Mänschenstimme wi si Wörter macht. Di hörten sich super an! Di hörten sich an wi schöne Musik! Ich hörte mir dise Musikwörter an bis di Sonne unterging und dann plözzlich dachte ich holla Fuks 8 du verrükkte Nus wenn di Sonne unterget wird di Welt dunkel huschhusch nach Hause sons is Gefar!
 
Das ist natürlich erstmal gewöhnungsbedürftig. Nach einer Weile, kommt man aber rein und es stört nicht mehr, im Gegenteil, es lässt die ganze Geschichte, so verrückt es klingt, authentisch wirken. Der Autor tritt hier völlig in den Hintergrund und man hat tatsächlich das Gefühl den Brief eines unschuldigen, fragenden Fuchses zu lesen. Eine großartige Form des Perspektivenwechsels.
 

…und wir müssen dringend zuhören

Doch was will uns Fuks 8 nun mitteilen? Es beginnt scheinbar harmlos. Mit frechen Sprüchen und einem unschuldigen Herzen erzählt Fuchs 8 uns von seinem Leben, räumt mit Fabel-Klischees auf und verliert selbst dann noch nichts von seiner Freundlichkeit und Bewunderung für die Menschen, als diese den Wald der Füchse platt machen um dort ein Shoppingcenter zu bauen. Man kann nicht anders, als diesen liebenswerten Rotpelz ins Herz zuschließen.
 
Und dann kommt die Wende in der Geschichte. Hundertfach verstärkt durch die kindliche Unschuld von Fuchs 8, werden Fuchs und der Leser plötzlich mit einer Grausamkeit konfrontiert, die in ihrer Sinnlosigkeit ihresgleichen sucht. Ich hatte Tränen in den Augen.
Ab diesen Zeitpunkt war es kein Kinderbuch mehr, sondern eine herzzerreißende Geschichte über den fatalen Umgang des Menschen mit der Natur. Es ist erstaunlich und in meinen Augen das Zeugnis literarischer Größe, wie Saudners es schafft auf so wenigen Seiten eine so tief berührende Geschichte zu erzählen. Besonders die letzten Worte von Fuchs 8, stimmen nachdenklich:
 

Wollt ir Mänschen mal ein guten Rad von ein Fuks, der nur ein Fuks is? Weil ich weis jezz, ir Mänschen habt oire Geschichten gern mit ein Heppi Ent? Wenn ir wollt, das oire Geschichten ein Heppi Ent haben, seit einfach mal ein bisschen netter.

 
Zum Schluss möchte ich mit einer Antwort an Fuks 8 enden:
 
Lieber Fuchs 8. Ich wünschte ich könnte dir eine befriedigende Antwort geben, eine Erklärung für dein Leid. Doch leider kann ich das nicht, denn die Wahrheit ist, diejenigen die solch ein Leid verursachen, sind auch für den Rest von uns ein Rätsel. Wir sind ohnmächtig im Angesicht der Grausamkeit, zu der unsere Spezies fähig ist, doch lass mich dir versichern, einige von uns versuchen trotzdem sich der Zerstörung und der Gewalt entgegenzustellen, also verliere bitte nicht die Hoffnung.

Diese Geschichte will dich mit scheinbarer Naivität und guter Laune einlullen, nur um sich dann mit voller Wucht in dein Herz zu bohren. Fuchs 8 ist anders, Fuchs 8 ist wichtig! Es ist eine Mahnung an die Menschheit und die Menschlichkeit, von der nicht nur Fuchs 8 sich fragt, warum sie uns so oft abhandenkommt. Das Buch regt zum Nachdenken an und ich kann es Jedem nur empfehlen.