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Buchinfo

Carlsen || Orig. Life As We Knew It || 1/4 || 412 Seiten
Et.: 25.09.12 || Übersetzerin: Annette der Weppen || 978-3-646-92009-3
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Hinweis: Die Print ausgaben der Einzelbände, sind nur noch gebraucht erhältlich. Ein Sammelband der Bände 1-3 (Band 4 wurde nie übersetzt) ist auch noch neu als Print erhältlich.

(Verlagstext)
Gespannt verfolgt Miranda zusammen mit ihrer Familie und der ganzen Nachbarschaft, wie ein Asteroid auf dem Mond einschlägt. Doch dadurch wird der Mond unerwartet aus seiner Umlaufbahn geworfen und die Welt gerät über Nacht aus den Fugen: Flutkatastrophen, Erdbeben und extreme Wetterumschwünge bedrohen die Zivilisation. Miranda und ihre Familie müssen lernen, dass gerade jetzt die kleinen Dinge zählen: Feuerholz, Klopapier, eine Dose Bohnen, Aspirin. Und dass sie alle zusammen sind.

Nun bei einem Buch, das eine Katastrophe ausgelöst vom Mond behandelt, ist es nur allzu logisch, denselben auch auf das Cover zu packen. Ich finde, dem deutschen Cover ist die Gesamtkomposition dabei besser gelungen. Durch den übergroßen Mond und den dunklen Farben wirkt es bedrohlich aber eher wie eine schleichende stille Bedrohung. Beim originalen Cover finde ich die Blautöne etwas zu intensiv.

(Achtung: Dies ist eine Rezension zu einem Buch, das mit der Goldenen Dolores ausgezeichnet wurde. Die goldene Dolores, benannt nach dem wohl unaustehlichsten Charakter im Buchuniversum, Dolores Umbridge, ist ein von mir verliehener Preis an ganz besondere Bücher. Nämlich an die Nervigen und Abstrusen, die voller Kitsch und/oder Logikfehler. Die bei denen man die Protagonisten anschreien möchte und bei denen man eine rote Stirn von den vielen Facepalms bekommt, kurzum solche Bücher, bei denen sich die Nägel hochrollen. Dementsprechend werden sie von mir mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie rezensiert. (Mehr Infos zur Goldenen Dolores findet ihr hier)

Schaut man sich die Rezensionen zu diesem Buch an, so sind diese überwiegend positiv, geradezu begeistert. Grund genug für mich es nochmal mit diesem Buch zu probieren, nachdem ich es vor Jahren mal frustriert in die Ecke geworfen hatte. Doch leider muss ich sagen, dass auch das erneute Lesen nichts an meiner Meinung geändert hat.

Der Mond ist aufgegangen

In nicht allzu ferner Zukunft soll ein Meteor auf der Mondoberfläche einschlagen. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass er ungefährlich ist und das Ereignis wird zum Massenspektakel. Doch dann geschieht das Unvorstellbare: Durch die Kraft des Einschlages wird der Mond von seiner ursprünglichen Umlaufbahn abgebracht und rückt näher an die Erde heran, die Folgen: Die Gezeiten spielen vorrückt, Erdbeben und Tsunamis verwüsten alle Kontinente. Und mittendrin, die 15-jährige Miranda deren bisher beschauliches Leben sich auf einen Schlag ändert, als es plötzlich ums Überleben geht.
 
Gut gefallen hat mir das Ausgangsszenario: Dadurch, dass der Mond nun viel näher an der Erde ist, werden die Gezeiten stärker, die Erdrotation verlangsamt sich (wodurch Tage und Nächte länger werden), Vulkanismus und Erdaktivitäten nehmen durch die Anziehungskraft des Mondes zu. Und das alles nur wegen eines Meteors. Das ist ein ganz realistisches Szenario und auch sehr bedrückend, denn so was kann jederzeit passieren. Es könnte rein theoretisch schon morgen sich ein Meteor ein Richtung Erde aufmachen. Und je nach Größe gäbe es wohl nur wenig, was die Menschheit nach aktuellem Stand dagegen tun könnte. Durch diese Realitätsnähe hat das Ganze etwas sehr Bedrückendes und eindringliches, das hat mir gut gefallen.

 

Das Tagebuch einer Geschichte über Dosensuppen

Was mir in Puncto Realität jedoch nicht gefallen hat, ist die Reaktion der Bevölkerung. Zum Anfang mit der Panik und den Hamsterkäufen fand ich sie noch gut dargestellt und nachvollziehbar. Doch im Laufe der Handlung wurde es für mich zunehmend unlogischer, dass es keine größeren Ausschreitungen, keine Plünderei oder Gewalt gab. Man klaut sich nichts vom Nachbarn, sondern rationiert lieber seine eigenen Portionen enger. Das wäre zwar schön, wenn es so wäre, aber die Menschen haben uns in der Vergangenheit schon oft genug bewiesen, dass der Mensch im Angesicht von Tod und Verwüstung nicht so nett reagiert. Ich erwarte ja keine aufreibenden Schlägereien mit Gangs oder die totale Anarchie, aber dass alle so nett und friedlich beisammen sitzen, während um sie herum die Welt den Bach runtergeht, ist einfach nicht mit dem Wesen des Menschen zu vereinbaren und unlogisch, so traurig es auch ist.
 
Auch fand ich es doch sehr fragwürdig, dass eine vierköpfige Familie es schafft ganze 7 Monate nur von Konserven und ein bisschen popeliges selbst angebautes Gemüse zu überleben. Bis auf kleineren Nachschub stammt fast der gesamte Vorrat von dem ersten Hamsterkauf. Wie viele Konserven haben die da gekauft und viel wichtiger: Wo haben die das alles hineingepackt? Aus so vielen Konserven kann man ja ein ganzes Haus bauen.
Und warum in allen Dreiteufelsnahmen benutzt diese Familie im Hochsommer! den spärlich fließenden Strom um die Wäsche im Wäschetrockner zu trocknen und die Klimaanlage zu betreiben. Kann man nicht was Sinnvolleres mit dem Strom machen? Aber immerhin während alle Vorräte sich dem Ende zuneigen Katzenstreu und Katzenfutter sind bis zum Ende noch reichlich da. Hurra, Katzenliebhaber dürfen sich freuen.
 
Ich hätte ja noch beide Augen zudrücken können, wenn wenigstens die Handlung was hergegeben hätte. Das Buch ist als Tagebuch konzeptioniert und Miranda nimmt das sehr wörtlich. Methodisch dokumentiert sie für uns jede einzelne Konserve die wann, wo und vom wem verspeist wird. Endlich mal ein Buch wo man ganz genau erfährt was wann auf den Tisch kommt, so was habe ich mir schon immer gewünscht. Ansonsten passiert nichts Spannendes. Die Familie überlebt mehr oder weniger gut auf der schon erwähnten fragwürdigen Weise. Miranda und ihre Mutter (die meiner Meinung nach die einzig Vernünftige in dem ganzen Buch war) streiten sich ständig, dann tut es Miranda leid. Streit, Reue, Streit Reue usw. Die Vorräte werden knapp, doch ich war schon zu weggepennt um noch irgendwelche Spannung zu empfinden. Und wäre ich nicht schon sowieso mehr als enttäuscht gewesen, spätestens das Ende hätte mir den Rest gegeben:

Am Ende löst ein himmlischer Engel, nämlich der Regierungsbeamte alle Probleme, indem er nach etlichen Monaten wie durch ein Wunder plötzlich auftaucht und Essen verteilen. Jupp, ist klar. Als ob irgendeine Regierung, wenn sie es denn tatsächlich schafft, nach über einem halben Jahr Apokalypse noch eine stabile Nahrungsversorgung aufrechtzuerhalten in jedes Pupskaff fährt und da Nahrung verteilt und jeder sich nett und freundlich anstellt.

Das an sich interessante Setting verliert sich in unrealistischen Taten und Ereignisse und eine absolut öden Handlung.

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