Lesezeit: 4 Minuten

Buchinfo

Berlin Verlag (Piper) || Orig. The Handmaid’s tale: The Graphic Novel || Einzelband || 240 Seiten
Et.: 02.09.19 || Übersetzerin: Ebi Naumann || 978-3-8270-1405-4
Möchtest du das Buch Kaufen?:
 

(Verlagstext)
Desfred ist Magd in Gilead, wo Frauen weder Beruf noch Freundschaften haben, ja nicht einmal lesen dürfen. Sie dient im Haus des Kommandanten. Dort hat sie nur eine Daseinsberechtigung: Einmal im Monat muss sie sich auf den Rücken legen und beten, dass der Kommandant sie schwängert. Denn in Zeiten zurückgehender Geburten besteht der Wert Desfreds und der anderen Mägde allein darin, dass sie fruchtbar sind. Aber Desfred hat die Zeiten vor Gilead erlebt, als sie eine unabhängige Frau war … Margaret Atwood selbst hat ihren Klassiker für diese Graphic Novel bearbeitet.

Mir gefällt das deutsche Cover besser, da es schon mehr vom Zeichenstil der Künstlerin und der Atmosphäre verrät. Das Original ist da nichtssagender, vor allem für die, die den Roman oder Serie nicht kennen. Das Cover ist an ein Publikum gerichtet, dem der Titel allein schon etwas sagt, das finde ich zu engstirnig.

Ich habe tatsächlich im letzten Jahr mich an dem Roman Der Report der Magd versucht. Zu meiner Schande konnte es mich jedoch nicht abholen und ich brach das Buch nach ca. der Hälfte ab. Das wurmte mich, wo der Roman doch so gelobt und als literarische Größe angepriesen wurde. Als ich dann in der Bibliothek die Graphic Novel entdeckte wollte ich es nochmal mit dem Stoff versuchen und siehe da, es hat gefunkt.

Ein zugänglicheres Medium

Was mich beim Lesen des Romans am meisten gestört hatte, war die Zähigkeit mancher Passagen. Es kam nicht selten vor, dass seitenlang nichts passierte und man als Leser stattdessen Desfreds ewig langen inneren Monologen “lauschte”. Da diese sich in ihren Gedanken des öfters wiederholte, waren diese Monologe für mich nach einiger Zeit eher ermüdend, als interessant.
Die Graphic Novel hingegen ist da deutlich gestraffter. Der Band umfasst den gesamten Roman, klar, dass es da Kürzungen gibt, dennoch kann man nicht sagen, dass wirklich was verloren ging, denn die Art und Weise, wie der Roman als Comic adaptiert wurde, ist wirklich sehr gut gemacht. Alle wichtigen Handlungselemente und Szenen sind da und auch die Hintergründe zu Entstehung von Gilead werden erläutert, sodass auch Leser, die den Roman nicht kennen, problemlos der Novel folgen können.

Zudem gelingt es Reneé Nault ganz hervorragend mit ihren Zeichnungen zu erzählen. Was Atwood auf mehreren Seiten wortgewaltig ausdrückt, gelingt es Rault in ihren Bildern auszudrücken. Sie braucht gar nicht so viele Sprechblasen und Textboxen, da viele ihrer Zeichnungen selbst erzählend sind. Ebenso gut eingefangen ist auch die Atmosphäre des Romans. Rault benutzt für die verschiedenen Zeitebenen unterschiedliche Farbgestaltungen. So ist die Vergangenheit, vor der Entstehung Gileads in sanften frohen Farben gestaltet, während die Gegenwart in Gilead grau und trist ist, nur durchbrochen von den grellen Farben, die die Frauen in ihre Rollen zwingen. Besonders das Rot der Mägde sticht immer wieder heraus, wirkt dabei aber nicht fröhlich, sondern eher anklagend und bedrohlich, wie Blut.

Der Report der Magd: Graphic Novel von Margaret Atwood und Renée Nault, Berlin Verlag.

Alles in allem empfindet man beim Lesen der Graphic Novel ähnliche Gefühle, wie beim Lesen des Romans: Bedrückung, Wut, das Gefühl der Ungerechtigkeit, der Leere und der Ohnmacht. AN manchen Stellen ist die Graphic Novel fast sogar noch eindringlicher, als der Roman, wenn visualisiert wird, was im Roman nur angedeutet wurde.

Wer wie ich mit dem Roman nicht ganz warm wurde, sollte unbedingt zu dieser Graphic Novel Adaption greifen, denn Desfreds Geschichte ist eine, die erzählt werden muss! Sie ist bedrückend und beklemmend, weil sie erschreckend real ist, diese Botschaft transportiert auch diese Adaption sehr ausdrücklich. Der Roman wird hier auf exzellente Weise in ein neues Medium übertragen und durch dieses ergänzt, ohne seine Atmosphäre und seinen Kern zu verlieren. Ich kann die Graphic Novel daher ohne Bedenken sowohl an Kenner des Romans, als auch an Neueinsteiger in Desfreds Geschichte uneingeschränkt empfehlen.