Lesezeit: 4 Minuten

Buchinfo

Rowohlt ||  Einzelband || 301 Seiten || Et.: 23.09.05 ||  978-3-499-24100-0
Möchtest du das Buch Kaufen?:
 

(Verlagstext)
Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: Ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitsplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann.
Jana ist Weltendesignerin. An ihrer Designstation entstehen alternative Realitäten, die sich so echt anfühlen wie das reale Leben: Fantasyländer, Urzeitkontinente, längst zerstörte Städte. Aber dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook, der friedlichsten Welt von allen, ein spektakuläres Verbrechen. Und Jana ist gezwungen zu handeln …

Das Cover gefällt mir, auch wenn es mich nicht völlig vom Hocker reißt. Es hätte noch etwas futuristischer sein können, denn die schwebende Insel erinnert mehr an Fantasy, als an virtuelle Welten, grade auch mit diesen Bergen unten, deren Sinn, vom ästhetischen mal abgesehen, sich mir nicht erschließt.

Ursula Poznaski ist mittlerweile aus der deutschen Buchszene, sowohl im Thriller, als auch im Jugendbuch Bereich kaum noch wegzudenken. Ich selbst hatte vor Jahren mal den ersten band ihrer Eleria Trilogie gelesen und auch wenn ich zugegeben mich kaum noch dran erinnere, weiß ich, dass ich sie sehr gemocht habe. Umso neugieriger war ich daher auf das neuste Werk der Autorin und freute mich, als es bei mir einziehen durfte.
 

Die Welt von morgen

Virtuelle Realität boomt. Zumindest in Büchern. Das Thema von virtuellen Spielwelten, die die Spieler das hautnahe Erlebnis bieten, ist momentan beliebt, wie noch nie und wird gerade in dutzenden Büchern aufgegriffen. Um da in der Masse hervorzustechen, braucht es eine überzeugende Handlung. In Poznanskis neustem Roman ist schon die Ausgangssituation interessant und erschreckend real: Durch den Klimawandel sind weite Teile der Erde unbewohnbar geworden. Die Welt ist trist, heiß und trocken geworden, Naturkatastrophen nehmen zu. Aus diesem Grund leben die Menschen praktisch nur noch in den virtuellen Welten. Ihre Körper sind wie Fracht in Kapseln, in sogenannten Wohndepots gelagert, während sich  ihr Bewusstsein, von täglich aufgezwungenen 40 min Muskeltraining in der Realität abgesehen, in den tausenden virtuellen Welten befindet.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Leben der Menschen beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Es ist nicht nur die Ausgangssituation bez. die Begründung, warum die Menschen in den Welten sind, wie in so vielen Romanen dieser Art, sondern stattdessen ein ganz zentrales Thema in diesem Buch, weswegen ich es auch ohne zu zögern als Umweltthriller oder Öko-thriller bezeichnen würde. Das Szenario, das hier entworfen wird, ist dabei erschreckend realistisch. Es fällt einem traurigerweise im Anbetracht der momentanen Klimasituation nicht schwer, sich vorzustellen, dass in 50-60 Jahren tatsächlich so unsere Zukunft ausschaut, was dazu führt, dass der Roman nur umso packender wird.

 

1000 Welten, 1000 Möglichkeiten

Doch kommen wir zurück zu den virtuellen Welten. Hier wird schon jeder Gamer neidisch auf diese Zukunftstechnologie. Da alle Menschen ihre Zeit in den virtuellen Welten verbringen gibt es nahezu unendlich viele. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, von friedlichen Idyllwelten, wie Kerrybrook, über Fantasywelten, Urlaubswelten bis hin zu Zombie- und Survival Welten. Ein an die Persönlichkeit des Nutzers angepasstes System verhindert, dass ballerwütige Kriegsspielfans in friedlichen Dörfer landen und umgekehrt. In der ersten Hälfte nimmt uns Poznanski mit, auf einen rasanten Trip durch die Welten. Das Tempo der Geschichte ist extrem hoch, trotzdem schafft die Autorin es, die vielen verscheiden Welten sehr anschaulich zu beschreiben. Man bekommt von jeder Welt einen ziemlich guten Eindruck, selbst wenn sich die Protagonistin nur kurz darin aufhält. Das iss ganz großes Kopfkino.
 
Und gerade, wenn man bei dem rasanten Tempo anfängt zu hecheln, kommt ein Twist und die zweite Hälfte des Buches wird ruhiger. Da hier aber dafür andere Konflikte auftreten, bleibt es dennoch spannend, trotzdem hat mir in dieser Hälfte noch etwas der Pepp, diesen letzten “Wow-Effekt” gefehlt und auch das Ende war dann für meinen Geschmack doch etwas zu  unspektakulär im Vergleich zum restlichen Roman, was letztendlich den einen Punkt Abzug bedeutet.

Cryptos ist ein packender Jugendthriller, der sehr gekonnt die Themen Virtual Reality und Klimawandel verknüpft und dabei ganz große Kopfkino Bilder zu erzeugen vermag. Nach einer rasanten und großartigen ersten Hälfte, fehlt der zweiten Hälfte des Buches jedoch der letzte Wow-Effekt um vollends zu überzeugen. Empfehlenswert ist Cryptos dennoch allemal.