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Buchinfo

One (Bastei Lübbe) || 1/2 || 288 Seiten || Et.: 16.03.17 ||  978-3-7325-4075-4
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(Verlagstext)
Ava ist 21 Jahre alt. Für immer. Sie hat eine schwere Schuld auf sich geladen und wurde zur Strafe mit einem dunklen Fluch belegt. Nun muss sie immer wieder durch die Zeit reisen, an immer neue Orte, in unterschiedliche Situationen. Nur ihre Aufgabe ändert sich nie: Sie muss zwei Seelenverwandten helfen, zueinanderzufinden. Dazu hat sie jedoch nie viel Zeit. Ihr Blut ist wie Säure, und wenn sie sich nicht beeilt, ihre Aufgabe zu erfüllen, leidet sie unsagbare Schmerzen. Dann lernt sie in einem der Sprünge Kyran kennen. Und auf einmal ist alles anders. Doch haben die zwei eine Zukunft, wenn Ava die Zeit und den Ort, an dem Kyran lebt, wieder verlassen muss?

Das Cover ist nicht so mein Fall. Ich steh nun mal nicht so auf rosa/pastelle Zuckerträume und das Paar finde ich auch etwas kitschig. Außerdem finde ich, dass das Cover dafür, dass die Protagonistin 21 ist, etwas zu jugendlich verträumt aussieht.

(Achtung: Dies ist eine Rezension zu einem Buch, das mit der Goldenen Dolores ausgezeichnet wurde. Die goldene Dolores, benannt nach dem wohl unaustehlichsten Charakter im Buchuniversum, Dolores Umbridge, ist ein von mir verliehener Preis an ganz besondere Bücher. Nämlich an die Nervigen und Abstrusen, die voller Kitsch und/oder Logikfehler. Die bei denen man die Protagonisten anschreien möchte und bei denen man eine rote Stirn von den vielen Facepalms bekommt, kurzum solche Bücher, bei denen sich die Nägel hochrollen. Dementsprechend werden sie von mir mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie rezensiert. (Mehr Infos zur Goldenen Dolores findet ihr hier)

Wie ihr schon gelesen habt, war das Cover dieses Mal nicht der Grund, warum ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. Vielmehr fand ich die Kombination von Zeitreise und (unfreiwilliger) Amor Job faszinierend, weswegen ich zu diesem Buch griff. Hätte ich es mal lieber stehen lassen, denn nun sitze ich hier vor der Rezension und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Wie wäre es mit Ava? Ja lasst uns mit der Protagonistin beginnen.

Es lebe die Hässlichkeit der Anderen

So, oder so ähnlich scheint das Lebensmotto der Protagonistin Ava zu sein, denn wenn alle Anderen um einen herum ach so hässlich sind, kann man sich selbst natürlich als das schönste Wesen auf Gottes Erden wähnen. Aber im Ernst: Selten ist mir eine so oberflächliche und arrogante Protagonistin untergekommen wie Ava. Jedes Mal, wenn sie eine Person trifft, wird zunächst ganz genau die Kleidung analysiert und stets für absolut furchtbar befunden. Wirklich, es vergehen keine zwei Seiten, ohne dass Ava über den Kleidungsgeschmack irgendwelcher Personen lästert. Offenbar ist sie die Einzige im ganzen Universum, die ein Hauch Modesinn besitzt und alle anderen Sterblichen sind ihrer unwürdig. Es ist auch egal in welcher Epoche sie sich gerade befindet, alles und jeder wird für modisch unzulänglich befunden.

Als wäre das nicht schon unsympathisch genug ist sie auch noch selbstmitleidig, maulend und bockig wie ein Kind. Das beste jedoch ist, dass Ava, wenn sie mal nicht gerade lästert oder sich im Selbstmitleid suhlt, stets betont, dass sie früher ja eine oberflächliche eingebildete Zicke war, aber jetzt hat sie sich entwickelt und gebessert. Aha. Sicher, wenn man sich von oberflächlich eingebildet zu unausstehlich arrogant steigert ist das wohl auch eine Art Entwicklung.

Der Stalker von nebenan

Die Protagonistin kann man also schon mal vergessen, doch wie sieht es mit dem Love Interest aus? Nun, auf den ersten Blick machte er einen sehr sympathischen Eindruck: nett, fürsorglich und klug. Ein süßer Student von nebenan. Doch sobald er Ava (die er als Einziger immer in allen Personen erkennt) erblickt, verabschiedet sich sein Gehirn auf Nimmerwiedersehen. Flutsch und weg, denn jetzt, nachdem er ganze fünf Sekunden mit ihr geredet hat, besteht sein gesamter Lebensinhalt nur noch aus ihr. Er kennt sie erst einen Abend lang und schon überlegt er sein Studium zu schmeißen. Beim zweiten Treffen installiert er dann eine Spy App auf ihr Handy. Klar, heutzutage macht man das ja auch so: spätestens beim zweiten Date wird die Vollüberwachung aktiviert, damit der Partner nicht panisch wegrennt. Wo kommen wir denn hin, wenn man das Objekt seines Herzens nicht 24 h am Tag bestalken kann?
Auch im weiteren Verlauf der Handlung findet der arme Kyran sein Hirn nicht wieder und bleibt ein willenloser Zombie, ein Zustand den selbstverständlich alle Frauen bei ihren Männern haben wollen.

Doch hey, vielleicht ist ja noch nicht alles verloren? Vielleicht war ja wenigstens der Plot spannend und kreativ? Ja, öhm … nö!

Love is in the air

Es muss an der Luft liegen. Ganz bestimmt ist die Luft in dieser konstruierten Welt vollgepumpt mit  Pheromonen, anders kann ich es mir nicht erklären, weshalb sich alle Seelenpartner innerhalb von weniger als 48 Stunden in die Arme fallen und das mit so kitschig, schwülstigen Liebesbekundungen, dass, wenn er sie hören würde, selbst Silbereisen als Kapitän des Traumschiffs seinen Dampfer freiwillig gegen einen Eisberg fahren würde.
Überhaupt bedient dieses Buch allerhand Klischees. Die ganze Sache ist sehr episodisch aufgebaut. Ava schlüpft in einem Körper, bringt die Seelenverwandten zusammen und weiter geht’s. Das Ganze passiert viermal und bei 288 Seiten kann sich jeder ausrechnen, dass jedem Paar gerade mal knapper 70 Seiten gewidmet sind. Bei dem Zeitdruck ist natürlich Eile angesagt und die Autorin „löst“ das Problem, in dem sich ein glücklicher Zufall an den nächsten reiht. Bereits nach fünf Minuten im neuen Körper läuft Ava die erste Hälfte des zu verkuppelnden Paares über den Weg und nach spätestens weiteren fünf Minuten die Andere. Dann wird ein bisschen auf das Paar eingeschimpft, drohend mit dem Finger gewackelt und die Glücklichen fallen sich schluchzend in die Arme. Hurra.

Diese Liebesgeschichten in Mopsgeschwindigkeit sind daher wie zu erwarten völlig oberflächlich und nichtssagend und bereits nach dem zweiten Sprung beginnt man sich als Leser zu wünschen man könnte selbst in der Zeit springen, um sich selbst davon abzuhalten das Buch zu kaufen. Zudem fehlt der rote Faden, das Buch hätte auch gut als Anthologie durchgehen können.
Der wahre Schenkelklopfer ist dann aber das Ende. Es gibt nämlich auf der einen Seite Cliffhanger, die einen aufgelöst und mit Vorfreude auf das nächste Buch zurücklassen und es gibt das Ende von Forever 21, bei dem die Autorin offenbar mit verbundenen Augen einen Strich unter einer willkürlichen Zeile gezogen hat und dies als Schluss auserkoren hat.

So sehr es mir auch Leid tut dies über ein Buch zu sagen, aber Forever 21 ist wirklich nahe dran an dem Wort Zeitverschwendung. Eine arrogante Protagonistin, ihr hirnloser Love Interest und eine flache Handlung voller Kitsch vermiesen einem die Lesefreude.

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