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Buchinfo

Heyne Hardcore || Orig. Black Leopard, Red Wolf || 1/3 || 832 Seiten
Et.: 21.10.19 || Übersetzer: Stephan Kleiner || 978-3-453-27222-4
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(Verlagstext)
Sucher, der Jäger mit dem besonderen Sinn, wird vor seine schwierigste Aufgabe gestellt. Er muss einen Jungen aufspüren, der vor drei Jahren spurlos verschwand. Seine Fährte führt ihn durch Wälder und Städte, zu Gestaltwandlern, Ausgestoßenen und Hexen. Aber kann er den Jungen retten und die Welten wieder in Einklang bringen?

Dieses Cover ist Kunst, anders kann man es gar nichts sagen und daher wäre auch jede andere Entscheidung als jene, das Cover in der deutschen Ausgabe vom Original zu übernehmen auch inakzeptabel gewesen. Wir sehen die namensgebenden Tiere und sie sind genauso verschlungen, “verrückt” und undurchsichtig wie die Geschichte selbst. Auch das Vorsatzpapier ist wunderschön gestaltet. Das Buch macht echt was her im Regal.

Ich muss zugeben, vor dieser Rezension habe ich mich gedrückt, denn ich habe das Buch abgebrochen. Ich habe es wirklich versucht, das Buch begonnen, zur Seite gelegt, es wieder begonnen, es etwas weiter geschafft und wieder zur Seite gelegt. Letztendlich bin ich ca. 300 Seiten weit gekommen, bevor ich das Handtuch warf, warum, das möchte ich euch nun erzählen.

Eine Sprache zwischen Poesie und Vulgarität

Dieses Buch ist anders. Das wird dem Leser bereits auf der ersten Seite klar. Wir befinden uns in einer Gefängniszelle und Sucher erzähl dem Inquisitor von seinem Leben. Dabei spricht er den Priester bez. den Leser direkt an. Ein Punkt, den ich interessant fand, denn es fesselte sofort meine Aufmerksamkeit, gleichzeitig fühlt man sich unbehaglich, denn Sucher wird schnell deutlich, dass der Inquisitor in dessen Haut der Leser sich quasi befindet, alles andere als ein guter Mensch ist. Dieses Wechselbad der Gefühle gleich zu Beginn fand ich zunächst sehr interessant.

Gleichzeitig wird ein zweiter Punkt bereits hier deutlich: Marlon james nimmt kein Blatt vor den Mund, also so gar nicht. Die Sprache ist ein seltsamer Kontrast zwischen fast schon poetisch anmutenden Wortbildern und Ausdrücken, die man selbst wohlwollend nur als derb und vulgär bezeichnen kann. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in der Handlung wieder. Auf der einen Seite schildert der Autor tatsächlich ein fantastisches, archaisches Afrika, auf der anderen Seite ist die Handlung durchzogen von unaussprechlichen Gewalttaten, die expliziter geschildert werden, als es in meinen Augen nötig wäre. Der Autor versucht offenbar bewusst zu provozieren, was ihm ohne Frage gelingt.

Eine Handlung wie ein Drogenrausch

Der Stil ist also, naja nennen wir es mal eigenwillig, doch die Handlung ist noch undurchsichtiger. Ich bin das Eintauchen in völlig fremde Welten gewohnt udn fidne mich normalerweise schnell zurecht, doch bei diesem Buch hatte ich Probleme. Ich kam mir beim Lesen vor, als wäre ich auf einem Trip. Charaktere kommen und gehen in Sekunden, es werden Geschichten, in Geschichten, in Geschichten verpackt, erzählt und die meiste Zeit verstand ich ehrlich gesagt nur Bahnhof. Ich weiß nicht, ob ich schlicht zu doof bin, dieses Buch zu erstehen, aber für mich machte es an vielen Stellen kaum Sinn. Ich sah einfach nicht wo das Alles hinführen sollte, was der rote Faden ist und das störte mich mit zunehmender Seitenzahl immer mehr und war letztendlich der ausschlaggebende Grund, das Buch dann noch endgültig zur Seite zu legen.

Diverse Charaktere

Doch ich will nicht nur kritisieren, denn das Buch hat auch ganz gute Ansätze. Die diversen Charaktere zum Beispiel. Wir haben sowohl homosexuelle, als auch bisexuelle Charaktere. Auch die intensive Auseinandersetzung mit der Macht die durch sexuelle Handlungen ausgeübt wird, fand ich nicht schlecht (wobei ich mich dennoch frage, ob dafür jede Szene wirklich nötig gewesen wäre) und auch die zahlreichen Fantasiewesen, die Hexen und Gestaltwandler und Naturgeister, fand ich gut gelungen.

Dieses Buch erscheint nicht umsonst bei Heyne HARDCORE. Schwarzer Leopard, Roter Wolf polarisiert und provoziert ganz gezielt. Mit Tabuthemen wird auf die harte Tour gebrochen, härter, als es öfters für nötig erscheint. Während ich mich damit noch irgendwie hätte arrangieren können, war es der psychedelische, undurchsichtige Handlungsverlauf, der mich zwang, das Buch nach ca. 300 Seiten abzubrechen. Das Buch hebt sich definitiv von der Masse ab, der Verlag hat also ein Ziel, kein Mainstrem zu verlegen eindeutig erreicht, mein Fall, war es aber leider nicht.

ab 16, wenn nicht sogar 18. Das Buch enthält äußerst verstörende und explizite Darstellungen von Gewalt, sowohl sexuelle, als auch physische Gewalt.