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Buchinfo

Wunderraum || Orig. The Night Tiger || Einzelband || 576 Seiten
Et.: 14.10.19 || Übersetzer: Heike Reissig, Stefanie Schäfer || 978-3-336-54807-1
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(Verlagstext)
Britisch-Malaya in den 1930er-Jahren. Zwischen Dschungel und Kolonialvillen lauert eine tödliche Gefahr … Der chinesische Houseboy Ren ist in geheimem Auftrag unterwegs: Er muss den letzten Willen seines Herrn erfüllen, damit dessen Seele Ruhe finden kann. Seine Mission führt ihn zu einem britischen Arzt und schließlich zu der jungen Tänzerin Ji Lin. Gemeinsam geraten sie in eine dramatische Welt von Herrschaft und Bediensteten, Aberglaube, Liebe und Verrat. Denn zwischen Dschungel und Kolonialvillen lauert nicht nur ein menschenfressender Tiger, sondern auch böse Geister – und böse Menschen …

Hier seht ihr rechts das deutsche Cover, in der Mitte das originale US Cover und weil ich es so toll finde, links auch noch das UK Cover. Von allen drei Cover, ist das UK Cover am schönsten. Es spricht mich von der ästhetischen Seite her am meisten An, gleichzeitig vermittelt es, wie ich finde, am besten das mysteriöse, dass diesem Buch zu eigen ist. Das deutsche Cover ist auch nicht schlecht, hat im Vergleich dazu aber weniger pepp. Das originale gefällt mir nicht, zumindest nicht für dieses Buch. An sich ist es auch sehr schön, ich liebe den Sternenhimmel, auf mich wirkt es aber mehr wie eine reine Liebesgeschichte und passt daher für mich nicht ganz.

Im Dezember entdeckte ich mit Nebelinsel zum ersten Mal ein Wunderraum Buch für mich. Das Buch schaffte es auch prompt mein Monatshighlight zu werden und ich schaute mir daher das Programm des Verlages weiter an. Nachttiger klang interessant und nach einer weiteren tollen Gelegenheit, meine Komfortzone zu verlassen. Doch war dieser Ausflug ins Ungewisse von Erfolg gekrönt?

Malaysia: Ein Potpourri der Kulturen

Wie der Klapptext schon verrät, spielt diese Geschichte in Malaysia bez. damals die Kolonie Britisch-Malaysia Anfang der 1930er. Ich persönlich kannte mich ehrlich gesagt bis dato überhaupt nicht mit diesem Land aus und so war das Lesen für mich ein Abtauchen in eine fremde, faszinierende Welt. Im Malaya, wie der historische Name des Landes ist, prallen drei Kulturen aufeinander. Zum einen die der Einheimischen, dann die britischen Kolonialherren und nicht zuletzt hat China mit einer enormen Zahl an Einwanderer enormen Einfluss und bringt, seine Traditionen und Kultur mit. Aus dieser Situation heraus entsteht eine faszinierende Vermischung von Kultur und Traditionen, so trifft zum Beispiel der malaiische Glaube an Geistertiger auf den chinesischen Zahlenaberglaube. Die Traditionen der Leute verschmelzen und bilden eine einzigartige Gesellschaft. Der Autorin gelingt es hervorragend diese Eigendynamik des Landes an den Leser zu vermitteln.

Die Odyssee eines Fingers

An diesem geheimnisumwitterten Ort verwebt die Autorin das Schicksal von fünf Menschen. Sie alle tragen eine der fünf konfuzianischen Tugenden im Namen:

Zhi – Weisheit
Yi – Rechtschaffenheit
Ren – Güte
Li – Ordnung
Xin – Aufrichtigkeit

Als Leser lernen wir die Namensträger aber erst nach und nach kennen, manche offenbaren sich sogar erst kurz vorm Ende des Buches. Zu Beginn handelt die Geschichte vor allem von dem jungen Ren, der den amputierten Finger seines toten Herren finden soll und Ji Lin, die durch Umstände ebenjenen Finger findet. Was folgt, ist eine fast schon aberwitzige, aber eben auch sehr amüsante Reise des Fingers, die man einfach nur als Odyssee bezeichnen kann. Mit voranschreiten der Handlung verweben sich die Schicksale der Figuren immer enger. Ich war absolut begeistert davon, wie die Autorin es schafft alles und jeden miteinander zu verbinden, diese Verbindungen aber immer erst nach und nach zu enthüllen. Stück für Stück die Fäden zu erkennen, die alles zusammenführen, stellte einen großen Lesegenuss dar und ließ das Buch zu keinem Zeitpunkt langweilig werden.

Die Grenzen verschwimmen

Doch die tolle Handlung, in der sich sogar Krimielemente finden lassen, ist nicht der einzige Grund, der dieses Buch zu einem Lesevergnügen macht. Ebenso gelungen fand ich die Vermischung von Mystik und Realität, von Traum und Wirklichkeit. In diesem Buch ist vieles nicht so, wie es scheint. Man fragt sich oft, was ist Legende und was ist wahr? Das Buch wandert dabei auf einem schmalen Grat zwischen Schein und Sein, hält aber exzellent die Balance.
Und auch bei den Charakteren selbst verschwimmen die Grenzen, viele haben Dinge getan, die nicht unbedingt gut waren, waren aber trotzdem keine schlechten Menschen. Es gibt kein schwarz oder weiß in diesem Buch und das ist immer ein Punkt, den man loben muss.

IMein zweites Buch aus dem Wunderraum Verlag und definitiv nicht mein Letztes! In Nachttiger entfaltet sich eine faszinierende Welt aus Mystik und Historik, aus Liebe, Verrat und Leidenschaft. Fünf Menschen, untrennbar verbunden durch die Odyssee eines Fingers. Witzig, mitreißend und betörend. Eine klare Leseempfehlung!

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