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Buchinfo

Knaur || Einzelband || 528 Seiten || Et.: 01.09.20 || 978-3-426-22719-0
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(Verlagstext)
Nur knapp überleben der Biologe Alex Kirchner und die Umweltaktivistin Itzil Pérez ein Schiffsunglück mitten im Bermudadreieck. Zusammen mit einem Dutzend weiterer Überlebender werden sie am Strand einer Vulkaninsel angespült. Doch die vermeintliche Rettung erweist sich schnell als tödliche Falle: Auf der Insel funktionieren weder Handys noch Kompasse, Nahrungsmittel verrotten über Nacht auf geheimnisvolle Weise, und schon am ersten Morgen ist ein Mitglied der Gruppe unauffindbar – dafür führen breite Schleifspuren direkt in den Mangrovendschungel. Und das ist erst der Anfang …

Das Cover stimmt schon ganz gut auf die Geschichte ein und hat mich mit dem bedrohlichen Totenkopf Unterwasser gleich neugierig gemacht. Ein bisschen schade finde ich es, dass der Vulkan auf der abgebildeten Insel fehlt. Im ganzen Buch wird der als signifikante Eigenschaft der Insel beschrieben, da wäre es doch nicht so schwer gewesen, den auch mit rein zu photosoppen. (Und wenn man schon dabei wäre, könnte man das Schlauchboot ja durch die Costa Concordia ersetzten, immerhin wird das havarierte Kreuzfahrschiff im Buch genau mit der verglichen xDDD (gut das ist jetzt natürlich ein Witz))

Letztes Jahr im Oktober bescherte mir Thomas Finn mit Lost Souls ein Monatshighlight. Daher freute ich mich sehr, als ich in der Vorschau dieses neue Werk von ihm entdeckte.
 

Mystery statt Horror

Die Ausgangssituation ist schnell erzählt: Auf dem Weg von Bermuda zu den Bahamas Inseln wird ein Kreuzfahrtschiff von einem mächtigen Sturm getroffen und havariert. Eine Gruppe von Schiffbrüchigen  wird an einer unbekannten Insel angespült. Bald stellen die Überlebenden fest, dass die Insel Geheimnisse verbirgt. Tödliche Geheimnisse.
So schnell, wie diese Einführung erzählt ist, so schnell wirft uns auch der Autor ins Geschehen. Ohne viel Vorgeplänkel geht’s gleich zur Sache, das hat mir gut gefallen. Trotzdem nimmt sich der Autor Zeit, seine Geschichte aufzubauen und an dieser Stelle kommt es stark drauf an, mit welchen Erwartungshaltungen man an diesen Roman herangeht. Auf dem Umschlag steht Horrorthriller und der ist,wie ich finde unglücklich gewählt. Viel besser passen würde Mysterythriller, denn in Bermuda arbeitet Thomas Finn (wieder) vorrangig mit Geheimnissen und Rätsel. Sicher, es gibt da bedrohliche Monster auf der Insel, aber die sorgen nur kurz für Actionszenen und sich auch nicht wirklich unheimlich dargestellt. Bedrohlich ja, gruselig, nein.
 
Der eigentliche Kern dieses Buches ist die Frage, was es mit der Insel auf sich hat. Da ich persönlich von solchem Rätselraten, wie magisch angezogen werde, hatte mich Herr Finn sofort in seinem Bann. Gekonnt wirft er dem Leser Böckchen für Bröckchen Hinweise hin und findet dabei genau die richtige Balance zwischen “den Leser zappeln lassen” und “den Leser mit Infos versorgen”. Der Autor bedient sich zwar dabei den klassischen Elementen eines Mysterythriller, ohne viel Innovation, das störte mich aber gar nicht, denn bei mir funktionierten die bekannten Techniken  einwandfrei. Ich wollte immer mehr wissen, mehr aufdecken und mehr Geheimnisse ergründen. Für mich war das wahnsinnig spannend, wer jedoch eher das Gruseln sucht, wird wohl leider enttäuscht werden.
 

Das Geheimnis des Bermudadreiecks

Bis kurz vor’m Schluss war ich also so richtig bei der Sache und hätte dem Buch die volle Punktzahl gegeben. Doch dann kam das Ende. Und das hat Herr Finn, so leid es mir tut das zu sagen, ziemlich verbockt. Denn hier greift er tief, tief in die Klischeekiste. Wer immer mal was vom Bermudadreieck gehört hat, weiß wie die Sache endet und das war gelinde gesagt eien riesen Enttäuschung, denn es war so banal und einfallslos, dass mir fast die Tränen kamen. Da wurde den ganzen Roman über, kontinuierlich Spannung aufgebaut und geschickte Hinweise gestreut, nur um dann mit einer 0815 Erklärung zu enden
(Achtung massiver Spoiler:)
Schon als ich das Buch in die Hand nahm, dachte ich, die Verschwörungstheorien um das Bermudadreieck kennend:” Bitte lass es keine Aliens sein, bitte, bitte” und lange Zeit sah es ja auch nicht so aus. Ich persönlich tippte auf eine Mischung aus Mayafluch und Militärexperimente und freute mich, mal eine andere Erklärung für das Bermudadreieck zu lesen. Und dann waren es doch Aliens. Mal davon abgesehen, dass ich persönlich Aliens einfach nur lächerlich finde, und die nie ernst nehmen kann (das ist natürlich Geschmackssache und nicht der Grund für den Punkteabzug), ist es wirklich die klischeehafteste Erklärung, die der Autor nur hätte nehmen können.
Auch wir die Auflösung viel zu schnell heruntergespult und die letzten dreißig Seiten fühlten sich an, wie eine to Do Liste, die abgehackt wurde. Das war alles n allem mehr als Schade.
 

Bermuda ist definitiv mehr Mysterythriller, als Horror. Die Spannung setzt sich aus den zu lüftenden Geheimnissen rund um die Insel zusammen und weniger durch gruslige Begebenheiten. Wer, wie ich, mit sowas ebenfalls seinen Spaß hat, dem wird Bermuda auch nicht langweilig werden. Bis kurz vorm Ende war ich begeistert von dem Buch und völlig in seinem Sog. Leider verbockt es dann das Ende, sodass ich zwei Dreiecke abziehen muss, trotzdem kann man mit Bermuda einige spaßige Stunden haben und es ist daher definitiv ein Blick wert.