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Huhu ihr Lieben =)

In meinem ersten Jahr im Museumskunde Studium hatte ich das Modul Inventarisierung, wo wir lernten wie man im Museum ordnungsgemäß inventarisiert und dokumentiert, wir hatten aber auch ein wenig Materialkunde und haben uns mit einzelnen Objektklassen beschäftigt u.a. dem Buch. Dabei stellte ich fest, dass es eine ganze Menge an Begriffen rund um die Bestandteile eines Buches gab, die ich noch nicht kannte.
Buchrücken oder Buchdeckel sind klar, aber wie zum Teufel heißt dieses kleine Bändchen, dass bei Hardcovern immer an der Ober- und Unterkante des Buchrückens klebt oder warum gibt es immer eine fast leere Seite vor der Titelseite? Wenn euch diese Fragen auch interessieren, na dann lest jetzt weiter, denn ich kläre euch auf 

Fangen wir mit den “Basics” an:

Das Buch von Außen

Der Buchblock

Als Buchblock bezeichnet man die Summe aller Seiten. Zusammengehalten wird er entweder durch eine Klebe- oder (heutzutage seltener) Fadenbindung. Übrigens: Früher hat man in Buchhandlungen nur einen solchen Buchblock bez. Rohseiten erworben. Mit diesen ist man dann zum Buchbinder marschiert und hat das Buch dann dort nach eigenen Wünschen (und Geldbeutel) binden lassen.

Der Einband

Der Einband umfasst den Buchblock. Er besteht aus dem vorderen und hinteren Buchdeckel, sowie dem Buchrücken. Der Knick, der das Aufschlagen erleichtern soll, nennt sich Falz. In den Anfangszeiten des Buches war der Einband meistens aus Holz, später Pappe, und wurde mit Leder oder anderen Materialien wei z.B Leinen überzogen. Das es sich dabei meistens um Schweinsleder handelte, ist der Grund, warum man noch heute zu dicken Büchern Schinken oder Schwarte sagt.

Das Kapitalband

Da haben wir den Namen dieses geheimnisvollen Bändchens. Es endstand ursprünglich, als man noch mit Bünde (siehe weiter unten) gebunden hatte. Das Kapitalbändchen war dabei nichts anderes als der obere bez. untere Abschlussbund. zu dieser Zeit benutze man Leder oder Pergament dafür. Als sich die Buchbindetechnik im 18. Jahrhundert änderte, blieb das Kapitalband (nun in gewebter Form),  hatte nun aber einen fast auschließlich dekorativen Zweck. Auch heute dient es primär der Dekoration, doch darüber hinaus schließt es die Lücke des Buchblocks zum Einband und schützt so im geschlossenen Zustand vor Staub.

Das Leseband

Das Leseband ist ein zumeist gewebtes Band, das am oberen Buchblock befestigt wird und der Markierung von Seiten dient. Im Fachjargon der Buchbinder heißt es Zeichenband.

Bünde

Neuere Bücher haben sie nicht, deswegen sind sie auch nicht auf meiner Übersicht oben drauf, aber ihr kennt sie sicher von alten Büchern:
 
Die Rede ist von diesen hervorstehenden “Streifen”. Das sind Bünde. Sie dienten dazu die einzelnen Seitenlagen zu verbinden und das Buch weiter zu stabilisieren. Es waren feste Stränge aus Hanf oder Anderem, die den Buchblock zusammenhielten und fest mit dem Einband verbunden wurden. Ohne Einband sehen sie so aus:
Die übliche Anzahl der Bünde waren drei. Allerdings galt ein Buch als umso wertvoller und hochwertiger, je mehr Bünde es besaß. Das führte dazu, dass manche Buchbinder falsche Scheinbünde hinzufügten. Das sind Papier- oder Seilstücke, die unter dem Leder eine gleiche Erhebung wie echte Bünde abbilden, jedoch nichts zum Zusammenhalt des Buches beitragen. So erschien das Buch wertvoller, als es in Wirklichkeit war.

Der Buchschnitt und was man damit Cooles machen kann

Den Seitenschnitt kennen wir bestimmt alle, aber wusstet ihr, was für tolle Verzierungen es gibt?

Der Farbschnitt

Der Klassiker unter den Verzierungen, der jeoch immer noch super aussieht. Wusstet ihr, dass der Farbschnitt zudem nützlich ist? Durch das Auftragen der Farbe weiten sich die Poren der Buchseiten und bilden geschlossen einen engeren Block, sodass weniger Staub zwischen die Seiten gelangen kann. Zudem schützen sie (bis zu einem gewissen Grad) vor lichtbedingtem Verfärben und anderen Flecken.

Der Metallschnitt

Diese Bücher sehen super edel aus. Früher verwendete man echtes Metall wie z.B Blattgold. Dementsprechen waren diese Bücher sehr wertvoll und wurden meist für Adlige, kirchliche Würdenträger oder reiche Bürger angefertigt. Manche hatten einen regelrechten Prachteinband mit Edelsteinen besetzt. Heute ist es in der Regel “nur” metallsich glänzende Farbe. Edel sieht es aber immer noch aus.

Der Mamorschnitt

Doch nicht nur einfache Farbe, nein auch Muster werden schon seit langer Zeit hergestellt. Dazu wird in einem flachen Becken schmierig/ölige Farbe gegeben und mit einem Stab zu Mustern verzerrt. Dort wird der Schnitt dann kurz eingetaucht und man erhält dieses typische “schlierige” Muster.

Der Verschobene Schnitt


Diese Verzierung ist richtig toll. Wie ihr in dem Gif sehen könnt, erscheinen die Bücher zunächst ganz normal bez. “nur” mit einer einfachen Goldschicht versehen, doch wenn man das Buch aufschlägt bez. den Schnitt schief hält, offenbart sich ein ganzes Bild. Genial. Diese Art von Schnitt gibt es bereits seit dem 16. Jahhundert 

Das wars mit dem ersten Teil =) Demnchst folgt Part 2, da schauen wir uns das Buch von innen an.