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Buchinfo

Blanvalet || Orig. The poppy Wars || 1/3 || 672 Seiten
Et.: 20.01.20 || Übersetzer: Michaela Link || 978-3-7341-6222-0
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(Verlagstext)
Rin ist ein einfaches Waisenmädchen, das im Süden des Kaiserreichs Nikan lebt. Ihre Adoptiveltern benutzen sie als billige Arbeitskraft, und um sie herum gibt es nur Armut, Drogensucht und Ödnis. Um diesem Leben zu entfliehen, setzt sie alles daran, um an der Eliteakademie von Sinegard aufgenommen zu werden. Doch auch dort wird Rin wegen ihrer Herkunft verspottet und ausgegrenzt. Da bricht ein Krieg gegen das Nachbarreich aus. Rin muss nun kämpfen und entdeckt dabei, dass ihre Welt nie so einfach war, wie sie geglaubt hatte – und dass sie zu viel mehr in der Lage ist, als sie selbst je für möglich gehalten hätte.

In dieser Gegenüberstellung gewinnt für mich das deutsche Cover. Es ähnelt in der Komposition dem Original, setzt diese aber besser, strukturierter und ansprechender um. Die Farben sind harmonischer und das zentrale Motiv einprägsamer. Zudem finde ich es doof, dass Rin auf dem Oiginalcover einen Bogen hält, obwohl sie im Buch nie einen benutzt, sondern, wenn immer nur mit dem Schwert bewaffnet ist.

Auf Im Zeichen der Mohnblume habe ich mich gleich gefreut, als ich es entdeckt hatte. Ich bin ja für den asiatischen Kulturkreis ohnehin immer zu haben, dass es sich hier bei auch noch um eine Autorin mit chinesischen Wurzeln handelt, machte es für mich doppelt interessant.

 

Fernöstlicher Flair

In Im Zeichen der Mohnblume entführt und die Autorin in das Kaiserreich Nikan. Bildmalerisch und einprägsam schildert sie ein Land zwischen Bauernhütten und prächtigen Pagodenpalästen, zwischen Ehre und Opiumsucht. Mit jeder einzelnen Seite wird deutlich, dass sich die Autorin intensiv mit dem chinesischen Reich beschäftigt hat und schafft es meisterlich den Leser nach Fernost zu entführen. Wer sich dann auch noch ein bischen mit ostasiatischer Geschichte auskennt, wird bald Parallelen entdecken, denn während Nikan an das chinesische Kaiserreich zum ende des 19. Jh. angelehnt ist, entspricht dessen verfeindeter Nachbar Mugen deutlich dem damaligen Japan. Auch die ganze Auseinandersetzung trägt deutlich Züge des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges von 1894/95, aber auch Spuren der Opiumkriege sind zu entdecken, denn auch Großbritannien als westliche Großmacht, findet in Hesperia seine Entsprechung.
Insgesamt hat mir diese Fanatsywelt nach historischem Vorbild außerordentlich gut gefallen und keine Angst, auch wer sich noch nie mit diesen kriegen beschäftigt hat, wird nichts verpassen, da im Roman alles in sich geschlossen ist und erklärt wird.
 
 

Zwei Hälften, die nicht so ganz zusammen passen wollen

Die Kulisse stimmt also schon mal und in der ersten Hälfte des Buches war ich auch richtig begeister. Rin erkämpft sich ihren Weg gegen Vorurteile und Unterschätzung. Dieser Teil des Buches hatte deutliche Züge, des bekannten “Protagonist muss ich an magischer Eliteschule beweisen” Schema, das mach die Geschichte aber nicht weniger spannend und mitreißend. Ich habe Rin gerne begleitet und hatte meinen Spaß.
 
Doch dann bricht der Krieg aus und nicht nur für Rin ändert sich alles. Der gesamte Tenor des Buches ändert sich radikal, wir von null auf hundert äußerst brutal und düster. Damit hätte ich prinzipiell kein Problem (wobei manche Gewaltakte schon eine bessere Reflexion verdient hätten), was mich aber viel mehr störte war, dass es trotz des Krieges nicht so recht weiter ging. Das Buch wurde zäh und hielt sich an Belanglosigkeiten auf, was den Lesefluss deutlich hemmte. Auch mit der ganzen Göttersache wurde ich nicht ganz warm, da sie auf mich doch sehr psychedelisch und mitunter abstrus wirkte.
 
Des Weiteren fing ich in der zweiten Hälfte an Probleme mit Rin zu entwickeln. Ich fand viele ihrer Entscheidungen fragwürdig und während ich es in der ersten Hälfte noch auf mangelnde Erfahrung schob, fehlte mir in der zweiten Hälfte die Charakterentwicklung. Als klassische Fantasyheldin sind ihre Entscheidungen moralisch zu bedenklich, als Antiheldin geht sie aber auch nicht wirklich durch, denn Antihelden leben von dem moralischen Konflikt. Selbst wenn sie falsche Entscheidungen treffen, werden sie auf irgendeiner weise mit den Konsequenzen, konfrontiert. Diese Auseinandersetzung fehlte mir hier.
Eine Sache ist mir leider besonders arg aufgestoßen: 
Während ihrer Ausbildung bekommt Rin zum ersten Mal ihre Menstruation. Ein erschreckendes Erlebnis, wenn man nicht darauf vorbereitet wurde, schon klar, aber eben auch etwas völlig Natürliches. Rin jedoch fühlt sich von ihrer Menstruation so gestört und betrachtet sie als Etwas, dass sie zurückhalten wird, dass sie kurzerhand einen Trank schluckt, der ihre Gebärmutter zerstört und sie den Rest ihres Lebens unfruchtbar macht. Ich kann an dieser Stelle nur hoffen, dass diese Entscheidung noch in irgendeiner Form Konsequenzen für Rin in dem Folgeband haben wird, denn in diesem hat es das nicht und es sträubt sich alles in mir, das so stehen zu lassen. Welche Botschaft sendet das denn an junge Frauen? Das Buch suggeriert, dass die Menstruation eine Benachteiligung sei, ein Hindernis für Frauen. Wer menstruiert, kann niemals das erreichen, was sie sich vornimmt. Das fördert definitiv kein gesundes Körpergefühl für Mädchen, sondern im Gegenteil weckt Ängste vor etwas, was doch eigentlich völlig normal und natürlich ist.
 
 

Hätte ich halbe Dreiecke, wäre es eine 3,5 geworden. Die Idee, die Atmosphäre und das Worldbuilding nach historischem Vorbild sind großartig und die erste Hälfte war auch richtig gut. In der zweiten lässt es aber deutlich nach, wird zäh und verwirrend und die Protagonistin bleibt ohne Entwicklung. Ich werde die Reihe weiter verfolgen, hoffe aber sehr auf Besserung im zweiten Band.

Ab 16, aufgrund von äußerst brutalen Gewaltdarstellungen.

Im Buchwinkel: 4/5
Letannas Bücherblog: 5/5
Tintensturm: 4/5
Books of Tigerlily