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Buchinfo

Fischer Tor || Orig. The Scandalous Sisterhood of Prickwillow Place ||Einzelband || 304 Seiten
Et.: 17.09.14 || Übersetzerin: Eva Plorin || 978-3-522-20199-5
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(Verlagstext)  Als aus heiterem Himmel die Direktorin und ihr Bruder beim Sonntagsessen vor ihren Augen tot vom Stuhl fallen, haben die sieben Schülerinnen des St. Etheldra Mädcheninternats die Wahl: Entweder erzählen sie von den Todesfällen und werden nach Hause geschickt, oder sie vertuschen den Vorfall und haben die fantastische Chance, das Mädcheninternat selbst zu führen – ganz ohne die Kontrolle von Erwachsenen!
Also schaufeln sie den beiden ein Grab im Garten und pflanzen einen hübschen Kirschbaum darauf. Doch das ist erst der Anfang. Für ihren Traum von der eigenen Schule verstricken sich die Mädchen in ein fulminantes Netz aus raffinierten Lügen, während der Mörder noch frei herumläuft …

Mir gefallen beide Cover sehr gut. Beim Originalen wird deutlicher, dass es im 19. Jh. spielt und alle sechs Mädchen sind abgebildet. Beim deutschen Cover finde ich die Perspektive, von unten aus dem Grab heraus, eine witzige Idee, das Cover wird dadurch gleich dramatischer und Kitty ist, wie ich finde, super getroffen vom Gesichtsausdruck her. Aus diesem Grund kann ich heute keinen Sieger küren, beide Cover sind auf ihre Art gleich toll.

Auf dieses Buch bin ich aufmerksam geworden, da ich bereits “Ich bin die, die niemand sieht” von Julie Berry gelesen hatte und das sehr mochte. Also habe ich mir die weiteren Bücher der Autorin angeschaut und bin bei dieser Jugend-Krimi-Komödie

 

Eine skandalöse Schwesternschaft 

England 1890, an einem Sonntag in einem kleinen verschlafenem Städtchen namens Eli, sitzen sieben Schülerinnen im St. Etheldra Mädcheninternat am Esstisch. Während sie nur Brot und Bohnen bekommen, lassen sich die Internatsleiterin und ihr Bruder ein deftiges Kalbsfleisch schmecken, zumindest so lange, bis Beide plötzlich tot vom Stuhl fallen. Und dies geschieht, ohne viel Vorgeplänkel schon auf der allerersten Seite des ersten Kapitels. Der Leser wird also gleich hineingeworfen in die Geschichte und das aberwitzige Abenteuer der sieben Mädchen beginnt.
Eine Besonderheit in diesem Buch sind die Spitznamen der Mädchen, da hätten wir:
 
Roberta “Liebenswert” Pratley
Mary Jane “Ungeniert” Marshall
Martha “Einfältig” Boyle
Alice “Robust” Brooks
Kitty “Schlau” Heaton
Louise “Pockennarbig” Dudley
Elinor “Düster” Siever
(Lasst uns schweigen, wie ein Grab von Julie Berry, Thienemann Verlag, S.5.)
Im gesamten Buch werden die Mädchen auch fast immer mit ihrem Spitznamen zusammen genannt:
 
Tot, würde ich sagen”, stellte Elinor Düster fest. Kitty Schlau sprang auf und eilte leichtfüßig zu Mrs Plackett. Sie nahm Matha Einfältig die Brille von der Nase, putze sie an ihrem Ärmel ab und hielt sie dann vor die schlaffen Lippen der Schulleiterin […] Kitty Schlau nickte zufrieden, weil kein Atem die Gläser beschlug, und setzte Martha Einfältig die Brille wieder auf die Nase. “Tot wie ein Bückling”, verkündete sie.
(Lasst uns schweigen, wie ein Grab von Julie Berry, Thienemann Verlag, S.10.)
 
Dies mag zuerst gewöhnungsbedürftig erscheinen, passt aber letztendlich sehr gut zu dieser eigenwilligen Geschichte und gerade am Anfang hilft es auch ungemein die sieben Mädchen auseinander zu halten. Ebenso hilft es, dass vor dem eigentlichen Beginn der Geschichte die Mädchen kurz vorgestellt werden. Interessanterweise, indem ihre Familien vorgestellt werden. Ein lustiger Ansatz, der trotzdem treffend die prägenden Charakterzüge der einzelnen Mädchen darstellt.
 

Von Giftmördern, neugierigen alten Damen und aufdringliche Nachbarn

Nun finden sich, wie gesagt, die sieben Mädchen schon auf der ersten Seite mit zwei Toten wieder. Was dann folgt, ist ein skurriles, ja fast schon aberwitziges Abenteuer. Mit viel Witz und schwarzem Humor lässt Julie Berry ihre jungen Damen von eienr absurden Situation in die nächste stolpern. Da hätten wir allzu neugierige alte Klatschtanten, aufdringliche Nachbarn, einen liebeskranken Admiral und ach ja, der Mörder läuft ja auch noch rum und das Internat will geführt werden. Mehr schlecht als recht stolpern die Mädchen voran, was auf der einen Seite sehr witzig war, in der Mitte hatte man jedoch das Gefühl, dass die Geschichte etwas auf der Stelle tritt. Auch hätte ich mir ein bisschen mehr Rätselraten gewünscht. Wer der Mörder ist, hatte ich sofort bei dessen ersten Auftritt raus. Sicher, das Buch richtet sich vornehmlich an Jugendlich, dennoch fand ich “Das große Rätsel” sehr einfach und nur in den Details kam wirklich Spannung auf.
 
Das Buch wird daher hauptsächlich von seinem Humor und den schrägen Situationen getragen. Bei einigen Situationen musste ich laut auflachen wie z.B. beim Erscheinen eines gewissen Neffen. Es ist oft einfach zu komisch, wie die Mädchen versuchen, ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten und dabei erstaunlich viel Kreativität zeigen und da man sie als Leser auch recht schnell mit ihren Eigenarten ins Herz schließt, feuert man sie doch insgeheim an, auch wenn man eigentlich weiß, dass das nicht ewig gut gehen kann, doch wie es genau endet, verrate ich euch natürlich nicht 😉
 
 
Übrigens: Einen guten Eindruck für die Stimmung des Buches gibt übrigens dieser geniale Buchtrailer (Englisch)

Lasst und schweigen, wie ein Grab ist eine amüsante Krimikomödie, mit viel Witz und schwarzem Humor. Es macht vor allem durch die fast schon aberwitzigen Situationen Spaß, in die die Mädchen hineinstolpern, in der Mitte dreht es sich aber etwas im Kreis und die Rätsel, für die die Mädchen Seiten brauchen um sie zu lösen, hat der Leser schnell raus. Trotzdem macht das Lesen viel Spaß und ich kann das Buch besten Gewissens empfehlen.