Lesezeit: 4 Minuten

Buchinfo

Bastei Lübbe || 2/3 || 655 Seiten || Et.: 28.02.20 || 978-3-404-20959-0
Möchtest du das Buch Kaufen?:
 

(Verlagstext, Achtung, Band 2: Spoilergefahr)
Auf Ruann herrscht immer noch Krieg um die letzten Wasservorräte. Der Offizier Dorgen ist inzwischen zum Heerführer aufgestiegen. Er ist entsetzt, als ihm sein mächtiger Schwiegervater Walerius aufträgt, den letzten großen Wald abzubrennen, um die Feinde in die Knie zu zwingen. Aber kann Dorgen sich ihm widersetzen?
Währenddessen versuchen die geflohene Sklavin Alia und der desertierte Soldat Tailin, den Lauf der Dinge aufzuhalten. Beide begeben sich in Lebensgefahr, um ihre Welt vor dem Untergang zu bewahren. Doch der Herrscher Sapions verfügt über zerstörerische Magie – und ihre grausame Macht wurzelt längst schon tief in den Seelen der Menschen.

Das Cover gefällt mir wieder besser, als das von Band 2. Man sieht sofort, es gehört zur Reihe, aber durch die Rottöne, hebt es auch ab und wirkt nicht wie ein drittes mal dasselbe. Ansonsten bleibt alles wie gehabt, auch hier haben wir wieder tolle Illustrationen und Kapitelverzierungen im Inneren.

(Achtung: Dies ist eine Rezension zu einer Reihenfortsetzung. Ich versuche Spoiler zu Vorgängerbände zu vermeiden, kann aber nicht garantieren, dass es mir immer vollständig gelingt.)  

Der erste Band der Die Quellen von Malun Reihe wurde von mir 2019 zum Jahreshighlight gekürt ist aber leider immer noch ein Geheimtipp, ebenso dieser Folgeband. Daher bedeutet mir die Rezension, die ich heute schreibe noch ein bisschen mehr, als sonst, denn eins verrate ich euch vorab: Diese Reihe hat wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient!

Zurück in Ruan

Es ist nun eineinhalb Jahre her, dass ich den ersten Band von Malun las, und zugegeben, ich brauchte ein paar Seiten, um wieder in die Geschichte hineinzukommen. Bei einer so komplexen Geschichte, wie diese, wäre vielleicht eine kurze 1-2 seitige Zusammenfassung der Ereignisse aus Band eins nicht schlecht gewesen, denn diese Fortsetzung setzt nahtlos dort an, wo ihr Vorgänger endete und durch die vielen Figuren muss man anfangs erstmal wieder kräftig sein Gedächtnis ankurbeln, immerhin, das Glosar war dabei ganz hilfreich, trotzdem hätte ich zusätzlich gern noch noch eine kurze Zusammenfassung gehabt.

War ich dann aber erstmal wieder in Ruan angekommen, hat mich das Buch auch wieder in seinen Sog gezogen. Daniela Winterfeld hat ein Talent dafür den Leser in den Bann zu schlagen. Sie schreibt eindringlich und anschaulich, verzichtet jedoch auf unnötige Ausschmückungen. Ein Stil, der hervorragend zur düster, brutalen Welt von Ruan passt.
Trotz dieses Sogs, habe ich aber einen kleinen Kritikpunkt, der auch der Grund warum es einen Punkt Abzug gibt. Kurz gesagt: Im ersten Drittel des Buches ist mir das Verhältnis von Informationen und Handlung zu unausgewogen. Die Autorin nutzt diese Seiten vorrangig, um Fragen aus dem ersten Band zu beantworten, uns Hintergründe zu eröffnen und näher auf das Magiesystem und die Götter einzugehen. Das ist prinzipiell eine tolle Sache, ich bin immer für mehr Background zu haben, leider wird für meinen Geschmack diese Informationsflut mit zu wenig Handlung verknüpft. Gerade bei den Passagen von Tailin hat man öfters das Gefühl einen Erklärbär vor sich sitzen zu haben, der die (zwar nicht uninteressanten) Infos runterrattert. Hier hätte ich mir mehr “Show, don’t tell” gewünscht. Es ist jetzt nicht so, dass das meinen Lesefluss komplett zerstört hätte, aber es war eben ein Punkt, der zur Perfektion gefehlt hat,

Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Licht noch Schlimmeres daher

Nachdem wir als Leser aber erstmals mit neuen Hintergründen, Geheimnissen und Hinweisen gefüttert wurden, geht es wieder ordentlich zur Sache und um es mal ganz unverblümt zu sagen, ist die Kacke so richtig am dampfen. Wer denkt, dass Ruan im ersten Band schon ein gelinde gesagt ungemütlicher Ort war, sollte sich warm anziehen (oder eher ausziehen, bei der Hitze dort 🤭), denn auf unsere Lieblingscharaktere kommt so Einiges zu und immer wenn ich dachte “So, das ist jetzt der Tiefpunkt, jetzt muss es mal langsam wieder bergauf gehen, damit das am Ende der Reihe noch irgendwie gelöst werden kann”, haut die Autorin noch etwas raus. Nochmal einen Schlag in die Magengrube. Selbst jetzt, wo ich die Brutalität und Grausamkeit dieser Welt schon gut kennengelernt habe, schafft es die Autorin mich trotzdem noch mit Wendungen zu überraschen und das finde ich ganz große Klasse! Und ganz ehrlich? Ich habe echt null Plan, wie diese verworrene Situation am Ende aufgelöst werden soll und das macht mich ganz kribbelig vor Vorfreude.

Als Letztes möchte ich nochmal etwas besonders positiv hervorheben, was mich auch schon beim ersten Band begeistertet und das ist die Art und Weise, wie Gewalt, deren Entstehung und Auswirkung in diesem Buch dargestellt wird. Die in diesem Buch dargestellten Grausamkeiten dienen nicht einfach nur der “Unterhaltung durch Schocker” wie in einem Splatter-Film, vielmehr verdeutliche sie ein komplexes Geflecht aus Machtmissbrauch und Unterdrückung. Niemand wird böse geboren, das wird in dieser Reihe mehr als deutlich. Vielmehr entsteht Hass fast immer aus anderem Hass heraus, Gewalt beantwortet selbst erlittene Gewalt. Dieser Teufelskreis und die Mechaniken, die dahinter stecken, werden wie auch schon im ersten Band, auch in dieser Fortsetzung sehr gut dargestellt und machen die Reihe so komplex, tiefgründig und empfehlenswert.

Auch der zweite Band der Malun Reihe konnte mich wieder überzeugen. Die Reihe hat eine Sogwirkung und Komplexität, die in der Fantasywelt ihresgleichen sucht, da lässt sich auch die etwas zu viel geratene Informationsflut am Anfang leicht verschmerzen. Die Reihe ist und bleibt eine absolute Empfehlung!