

(Verlagstext)
Blackwood House begrüßt seine neuen Besitzer. 100 Jahre des Wartens werden endlich belohnt.
Mara ist die Tochter von betrügerischen Spiritualisten. Ihre Kindheit war geprägt von Séancen und vorgetäuschten Geistererscheinungen.
Als Mara ihre Familie verließ, schwor sie sich, dass solch dummer Aberglaube nie wieder Platz in ihrem Leben finden wird. Nun lebt sie mit ihrem Freund Neil in einer Welt, die auf Rationalität beruht.
Dann kaufen sie das Blackwood House.
Sie wurden gewarnt, dass in dem verfallenen Gebäude seltsame Dinge geschehen, und tatsächlich: Türen öffnen sich von allein, in der Nacht hören sie Kinder schreien, ein Schaukelstuhl wippt pausenlos vor sich hin. Doch das ist erst der Beginn des Unheils.
Wohnen sie in einem Spukhaus? Mara will davon nichts hören. Das ist nur ausgeklügelter Schwindel … Aber wenn Geister nicht real sind, wer oder was haust dann in ihrem Haus?


Beide Cover sind stimmungsvoll, aber auch ziemlich generisch. Das Original setzt auf klassisches Haunted-House-Design mit Nebel, dunklen Bäumen und beleuchtetem Fenster – atmosphärisch, aber schon zigmal gesehen. Das deutsche Cover wirkt durch die verschnörkelte Illustration zwar etwas edler, bleibt aber inhaltlich vage und könnte genauso gut zu einem Märchenbuch passen. Keines trifft wirklich meine Vorstellung vom Blackwood House, aber mit knappem Vorsprung gewinnt das deutsche Cover, weil es zumindest etwas eigenständiger wirkt.

Im November war ich mal wieder in Horror-Stimmung, ist ja bei dem trüben, dunklen Wetter dieses Monats auch kein Wunder. Und da From Below von Darcy Coates fast mein Jahreshighlight geworden wäre, wollte ich es mit einem weiteren Buch von der Autorin probieren. Sie ist ja vor allem die Königin der Haunted House Geschichten, daher hatte ich die Qual der Wahl. Letztendlich hab ich mich einfach für das (damals) neuste auf deutsch erschienene Buch entscheiden. Konten es mich wider so gruseln wie From Below?
Von Geisterhäusern, Realitätsverweigerinnen und Ekelmatratzen
Geister in Blackwood House ist eine klassische Spukhaus-Geschichte – und zwar wirklich klassisch. Junge Frau mit traumatischer Kindheit kauft altes, verlassenes Haus und zieht ein, nur um festzustellen, dass dort vielleicht doch nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Klingt bekannt? Ist es auch. Aber das macht nichts, wenn die Umsetzung passt – und das tut sie größtenteils.
Wie auch schon in From Below gelingt es Darcy Coates, eine packende und unheimliche Atmosphäre zu erzeugen – zumindest immer dann, wenn die Handlung sich tatsächlich auf das Haus konzentriert. Blackwood House ist düster, bedrückend und wird von Seite zu Seite unheimlicher. Die klassischen Haunted-House-Elemente – seltsame Geräusche, sich bewegende Gegenstände, das beklemmende Gefühl, nicht allein zu sein, Schritte auf dem Dachboden etc. – werden gut inszeniert und sorgen für einige wirklich gruselige Gänsehautmomente, nicht so intensiv wie From below, aber doch gruselig genug. Sagen wir Einsteiger-Horror ABER definitiv Horror.
Aber dann ist da Mara, die Protagonistin. Und die ist anfangs das Gruseligste am ganzen Buch – wenn auch unfreiwillig. Ihre Entscheidungen sind oft schwer nachvollziehbar. Da findet sie zum Beispiel einen seit 20 Jahren verlassenen Esstisch – samt vergammeltem Essen – und ihr erster Instinkt? Anfassen! (Und später bedauert sie es ernsthaft, das Zeug wegwerfen zu müssen. Sie hätte es lieber stehen lassen, als groteske Kunstinstallation oder so? Ich habe wirklich keine Ahnung.) Oder ihr “Einzug” mit nichts außer Konservendosen, einem Pappkleiderschrank und dem brillanten Plan, sich zum Schlafen auf eine Matratze zu legen, die seit zwei Jahrzehnten unberührt im Haus vor sich hin schimmelt. Wohlgemerkt: Sie HATTE eine einwandfreie Matratze. Sie hatte bloß keinen Bock, die mitzunehmen. Girl, was stimmt nicht mit dir? Ich bekomme schon Hautausschlag, wenn ich nur an diese Ekelmatratze denke 🤢 und die will darauf pennen.
Dazu kommt ein Starrsinn und eine “Es gibt keine Geister”-Haltung, die schon an Realitätsverweigerung grenzt. Klar, die Autorin liefert eine Erklärung, warum Mara ist, wie sie ist, aber das macht ihre Bockigkeit und Wutausbrüche trotzdem nicht leichter für die Leser:innen zu ertragen.
Zum Glück macht Mara eine Entwicklung durch – spät, aber immerhin – und das hat mich mit ihr ein Stück weit versöhnt. Aber bis dahin ist es manchmal ein anstrengender Weg mit ihr, sodass ich nach langem Hin und Her überlegen doch einen Punkt abgezogen habe. Stellen wir uns einfach vor, Mara hat diesen einen Punkt angebrüllt und vergrault (oder als groteske Kunstinstallation missbraucht).

Geister in Blackwood House bietet keine großen Überraschungen, aber das ist auch nicht der Anspruch. Es ist eine klassische Haunted-House-Story, die genau das liefert, was man erwartet: schaurige Atmosphäre, unheimliche Ereignisse und eine solide Backgroundgeschichte. Wer ein Faible für Spukhaus-Romane hat und sich darauf einlassen kann, dass die Protagonistin sich erst mühsam zur Einsicht kämpft (und manchmal echt wierd ist), wird hier gut unterhalten



► Lolobooks: 4/5
► Thrillerwelt: 3/5
► Olivia Grove: 3,5/5
► Janas Lesehimmel