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Buchinfo

Insel || Orig.: La mémoire de Babel || 3/4 || 520 Seiten
Et.: 17.11.19 || Übersetzerin: Amelie Thoma || 978-3-458-17827-9
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(Verlagstext, Achtung, Band 3: Massiver Spoiler zu den Vorgängern!)
Fast drei Jahre hat Ophelia Thorn nicht mehr gesehen. Nach seinem plötzlichen Verschwinden musste sie den Pol verlassen und nach Anima zurückkehren. Doch eines Tages macht sie sich heimlich auf den Weg zur Arche Babel, um mehr über Gott herauszufinden und sich auf die Suche nach Thorn zu begeben. In Babel angekommen, einer Arche mit strikten Vorschriften und argwöhnischen Bewohnern, die Robotern mehr gleichen als Menschen, muss Ophelia sich als »Lehrling« am Konservatorium der Guten Familie beweisen. Als in dem Secretarium der Arche eine Zensorin tot aufgefunden wird, die kurz vor ihrem Tod die Werke eines Kinderbuchautors verbrannt hat, erkennt Ophelia fassungslos, wie sehr sie selbst in diese tödliche Geschichte verstrickt ist.

Was soll ich zu den Covern noch groß sagen? Auch dieses hier sieht wieder wunderschön aus. Es zeigt, in offensichtlicher Anlehnung an Der Große Turmbau zu Babelvon Pieter Bruegel d.Ä., das Konservatorium von Babel. Auch die Farbe, dieses Pastellgrün, finde ich klasse.

 (Achtung: Dies ist eine Rezension zu einer Reihenfortsetzung. Ich versuche Spoiler zu Vorgängerbände zu vermeiden, kann aber nicht garantieren, dass es mir immer vollständig gelingt.)  

Was habe ich diesem Band entgegen gefiebert, denn der zweite Band der Spiegelreisende endete mit einem richtig fiesen Cliffhanger. Und so wartete ich hibbelig und zappelig. Zum Glück hat das Warten sich gelohnt.

Babel: Eine neue Arche

Christelle Dabos hat ein einzigartiges Buchuniversum geschaffen. Eine Welt, zersplittert ins schwebende Inseln, jede mit anderen Menschen die unterschiedliche Kräfte haben, mit eigenem Klima, Landschaften und Kultur. Nachdem wir Ophelia zwei Bände lang auf Anima und vorrangig dem Pol begleitet haben, brechen wir nun mit ihr gemeinsam zu neuen Ufern auf, genauer gesagt zur Arche Babel, wo Ophelia Thorn auf den Spuren Gottes vermutet.
Auch wenn es am Pol sicherlich noch genügend Orte zum Erkunden gegeben hätte, freute ich mich sehr eine neue Arche entdecken zu können. In diesem Band haben wir auch erstmals eine “Weltkarte” sowie eine Auflistung aller Hauptarchen, mit ihren jeweiligen Familiengeister und über was für Kräfte diese verfügen. Das fand ich sehr interessant.

Babel ist dann auch eine ganz andere Welt, als der Pol. Was Klima, Flora und Fauna und Architektur angeht, scheint Babel von Indien mit ein paar antiken Einflüssen inspiriert zu sein, die Bewohner werfen auch immer wieder mal englische Floskeln ein, was an Indien zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft erinnert. Aber wie gesagt, es ist eher eine wage Inspiration, wie für Christelle Dabos typisch, hat sie wieder eine außergewöhnliche und individuelle Kulisse geschaffen, die mit ihren strengen Regeln und dem totalitären System aber auch einige Herausforderungen für Ophelia zu bieten hat.

Ophelia geht ihren Weg

Der dritte Band der Tetralogie ist etwas weniger turbulent als seine Vorgänger, das macht ihn aber keineswegs schlechter. Er legt in vielen Punkten die Weichen für ein mit Sicherheit großartiges Finale und fängt dabei allen voran bei seinen Charakteren an. Besonders für Ophelias Charakterentwicklung ist dieser Band maßgebend. Erstmals auf sich allein gestellt und erschüttert von einer Identitätskrise muss Ophelia viele, auch innere, Hürden überwinden und das braucht eben Zeit, die sich die Autorin auch nimmt. Das mag vielleicht nicht ganz so mega spannend sein, wie ihre Abenteuer in den Vorgänger (wobei mir persönlich zu keinem einzigen Zeitpunkt langweilig war), dafür wird man am Ende aber mit ausgereiften und authentischen Charakteren belohnt.

 

Eine Achterbahn der Gefühle

 
Wirklich langweilig kann einem in diesem band aber trotzdem nicht werden, dafür schreibt Christelle Dabos einfach zu gut. Nicht nur, dass sie neue Charaktere, wie Viktoria oder Blasius die, gewohnt schrullig, aber auch herzallerliebst sind, eingeführt hat, sie lässt ihre Leser auch eine wahre Achterbahn der Gefühle durchleben. Zuerst Wut, bis Hass (Stichwort: Mediana, die glatt Dolores Umbridge’s Tochter sein könnte, was meine Antipathie einem Buchcharakter gegenüber angeht). Und dann noch Ophelia und Thorn, viel kann ich ja nichts sagen, ohne zu spoielrn, aber ich versichere euch, beide hätte ich hin und wieder am liebsten kräftig durch schütteln können. Wenigstens am Ende wurde mein armes Herz wieder etwas aufgeheitert, bis dahin hatte ich aber auch schon echt die ganze Bandbreite durch und nun bin ich ganz ungeduldig in Erwartung des Finales.

Die Spiegelreisende ist meine Highlightreihe 2019. Jeder band hat mich bisher begeistert,s o auch Das Gedächtnis von Babel. Sämtliche Gefühle habe ich durchlebt, vom tiefsten Zorn bis zur unbändigsten Freude. Ophelia und Thorn haben (wieder) mein Herz gestohlen. Ich wünschte diese Reihe würde niemals enden.